Ludwigsburg / Uwe Roth  Uhr

Den 15 Klassenzimmern im renovierten Trakt des Goethe-Gymnasiums in Ludwigsburg fehlen noch die Türen. Die Rahmen dafür lehnen montagefertig an der Wand der langen Schulflure. Kabel schauen aus den Decken. Auf den neuen LED-Lampen klebt noch die Schutzfolie. Überall sind Handwerker mit letzten Arbeiten beschäftigt. Wo üblicherweise die Lehrer parken, stehen dicht die Fahrzeuge der Baubetriebe. Der enge Zeitplan bringt den Bauleiter Horst Fischer nicht aus der Ruhe. Kommenden Dienstag werden die neuen Schulmöbel angeliefert. „Bis dahin sind die Handwerker aus den Klassenzimmern raus“, zeigt sich der städtische Mitarbeiter des Hochbauamts überzeugt.

Muss er auch. Denn bei der Besichtigung der Baustelle sind am Mittwoch sein Chef Mathias Weißer und Ludwigsburgs Erster Bürgermeister Konrad Seigfried anwesend, die auf Detailfragen Antworten hören möchten. Bis Beginn des Schuljahres müssen nicht nur Stühle und Bänke an ihren Plätzen sein, sondern auch die technischen Geräte funktionieren. „Eine Kreidetafel gibt es in den renovierten Klassenzimmer nicht mehr“, erläutert Renate Schmetz, Fachbereichsleiterin Bildung und Familie. Auf den Lehrerpult kommt ein Notebook, und an die Decke ein interaktiver Beamer. Die Projektionsfläche ist multifunktional. Im Erdgeschoss können zwei Klassenzimmer gekoppelt werden. Eine Tür führt in eine kleine Teeküche. Alles ist nahezu barrierefrei. Das „Goethe“ muss in weniger als vier Wochen bereit sein für die Inklusion.

Viele Erfahrungen gesammelt

Seit 2015 wird am und im Goethe-Gymnasium gewerkelt. Da hat Bauleiter Fischer viele Erfahrungen sammeln können. Das Hauptgebäude und der angebaute Trakt stammen aus den 1950er-Jahren. Bis 1970 wurden dort ausschließlich Mädchen unterrichtet. Für die Modernisierung der 13 600 Quadratmeter Schulflächen hat die Stadt 23,3 Millionen Euro eingeplant. Das Land fördert das Projekt mit 2,9 Millionen Euro. „Viel zu wenig“, schimpft Seigfried, der für die Schulen der Stadt zuständig ist. „Es müsste ein deutlich besseres Verhältnis zwischen kommunaler und Landesfinanzierung geben.“

Er sagt das nicht nur, weil Kommunen und insbesondere Ludwigsburg nie genug aus Fördertöpfen bekommen können. Die Sanierung der Schulen und die dafür notwendigen Investitionen sind zum Dauerthema geworden. Das ist in anderen Städten nicht anders. In Ludwigsburg stehen jedoch besonders viele Schulgebäude, die in die Jahre gekommen sind. Die 23,3 Millionen Euro fürs „Goethe“ reichen nicht, um die Turnhalle zu sanieren, „die wirklich heruntergekommen ist“, so der Bürgermeister. Gegenüber dem Gymnasium wird ein Anbau des Schiller- und Mörike-Gymnasiums aus den 60er-Jahren abgerissen. In den Stadtteilen Grünbühl und Neckarweihingen wird an den Grundschulen gearbeitet. Beide bekommen neue oder renovierte Klassenräume sowie jeweils eine Mensa. Das Bildungszentrum West wird in wenigen Jahren völlig neu gebaut.

„Wir tun uns schwer, die Bildungseinrichtungen auf den neuesten Stand zu halten“, sagt Seigfried. „Seit 2005 haben wir Nachholbedarf. Ein Licht am Ende des Tunnels gibt es  nicht.“

Derzeit hat in Ludwigsburg die Schulsanierung oberste Priorität. Die Stadt wächst und damit der Bedarf an Schulen. Doch andere städtische Bauprojekte treten in den Wettbewerb um die Gunst der Gemeinderäte, die über den Haushalt entscheiden. Im Februar vergangenen Jahres hat die Stadtverwaltung vorgeschlagen, das Bürgerbüro und das Standesamt in den historischen Trakt des Rathauses an der Ecke Wilhelm-/Stuttgarter Straße zu verlegen. Dort wäre ausreichend Platz. Das Trauzimmer wäre erstmals repräsentativ untergebracht.

Die geschätzten Kosten liegen bei 20 Million Euro. Vor einem Jahr lagen sie noch bei 16 Millionen. Anfang 2019 hätte mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden sollen. Doch nichts ist passiert. Unter den Gemeinderäten wird die Überlegung laut, das Projekt zurückzustellen und der Schulsanierung weiter den Vorrang zu geben. „Beides ist notwendig. Ob beides stemmbar ist, werden die Haushaltsplanungen im Herbst zeigen“, sagt der Erste Bürgermeister.