Freiberg Sammelunterkünfte in Freiberg

Die Halle der ehemaligen Firma Zoller in der Freiberger Planckstraße wird, neben einem Gebäude in der Max-Eyth-Straße, zur Flüchtlingsunterkunft hergerichtet. Dort könnten bis zu 140 Asylbewerber untergebracht werden.
Die Halle der ehemaligen Firma Zoller in der Freiberger Planckstraße wird, neben einem Gebäude in der Max-Eyth-Straße, zur Flüchtlingsunterkunft hergerichtet. Dort könnten bis zu 140 Asylbewerber untergebracht werden. © Foto: Martin Kalb
Freiberg / GÜNTHER JUNGNICKL 14.01.2016
Bis zu 280 Asylbewerber könnten bald in Freiberg Platz finden. Der Landkreis hat dafür zwei schon länger leerstehende Gewerbebetriebe angemietet, die derzeit von ihren Besitzern dafür hergerichtet werden.

Eigentlich könnte das mächtige mehrgeschossige Gebäude von Wolle-Rödel an der Max-Eyth-Straße 10 (Gewerbegebiet Ludwigsburger Straße-West) längst fertig sein, wäre da nicht das Gerücht aufgetaucht, das gesundheitlich bedenkliches Asbest in seinen Mauern lauert. Doch nach ausführlicher Prüfung hat das Landratsamt Ludwigsburg jetzt "grünes Licht" gegeben: Nutzung für Menschen unbedenklich, kein Asbest gefunden.

Deshalb könnten dort auf mehreren Geschossen 120 bis 140 Flüchtlinge untergebracht werden - und zwar auch ganze Familien. Dafür müssen allerdings erst noch die nötigen Zimmer und Sanitäreinrichtungen hergerichtet werden.

Anders steht es um die einstige Produktionshalle in der Planckstraße des vor einigen Jahren nach Pleidelsheim umgezogenen Präzisions-Meßgeräte-Herstellers Zoller. Auch dort habe es Verzögerungen beim Umbau gegeben, heißt es. Die Werkshalle muss nämlich - ähnlich wie die Sporthallen der kreiseigenen Berufschulzentren - in mehrere Schlafbereiche abgegrenzt werden, um dort ebenfalls 120 bis 140 Asylbewerber unterbringen zu können. Auch Duschcontainer müssen für die Menschen noch bereitgestellt werden. Doch nach Auskunft von Landratsamts-Pressesprecher Dr. Andreas Fritz können die Räumlichkeiten in Geisingen Ende Januar/Anfang Februar bezogen werden.

Im Neujahrsgespräch mit der BZ vor einigen Tagen hatte Bürgermeister Dirk Schaible die Unterbringung von immer mehr Flüchtlingen als eine Gemeinschaftsaufgabe bezeichnet, der sich die Stadt nicht verschließen könne. Er rechnete dabei mit der Zuteilung von 200 bis 250 Flüchtlingen durch den Landkreis.

Bisher sind insgesamt 100 Asylbewerber in Freiberg untergekommen, die vom Freiberger Arbeitskreis Asyl betreut werden. Die Vorbereitungen für die beiden neuen Sammellager hatten bereits 2015 kurz nach den Sommerferien begonnen, doch die Umbaumaßnahmen zogen sich wegen der überraschenden Asbestwarnung unvermutet in die Länge. Ursprünglich sollten sie bereits im Oktober 2015 abgeschlossen sein. Denn bereits im September 2015 hatte die Stadt Freiberg zu einer Bürgerversammlung ins Prisma eingeladen, um die Freiberger rechtzeitig über die Pläne des Landratsamts zu informieren.

Denn nicht allen Bürgern war es wohl bei dem Gedanken, dass so viele obdachlose Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea oder aus dem Irak in den beiden Sammelunterkünften zusammengefasst werden. Einige machten damals ihrem Unmut Luft und forderten einen Sicherheitsdienst rund um die Uhr.

Bürgermeister Dirk Schaible warnte allerdings davor, gleich schlimme Horroszenarien an die Wand zu malen. Aber er gab auch zu verstehen, dass Gemeinderäte und verwaltung nicht blauäugig seien und "grenzenlose Sorglosigkeit" walten ließen. In der Folgezeit habe man deshalb auch Wert darauf gelegt, dass die Flüchtlinge auf alle Fälle von Sozialarbeitern betreut werden. Auch seien beide Sammelunterkünfte nicht als Dauerlösung gedacht, erklärte der Freiberger Bürgermeister damals.

In seiner Sitzung am heutigen Donnerstag wird sich der Gemeinderat noch einmal darüber informieren lassen, inwieweit die Sicherheit in den Gewerbegebieten Beihingen und Geisingen gewährleistet ist. Doch zu entscheiden hat er dazu nichts, da der Landkreis und die jeweiligen Immobilienbesitzer als "Geschäftspartner" Herren des Verfahrens sind.

Erster Protest gegen Flüchtlingsunterkunft in der Planckstraße

Riskant Ekkehard Menninger, Geschäftsführer der Disco Con Betriebsgesellschaft mbH und des Freiberger Dancing Parks "Palazzo", hat sich in einem Schreiben an die Freiberger Verwaltung, Gemeinderäte, Polizei, Landratsamt, Innenminister sowie die lokalen Politiker gewandt und gegen die Flüchtlingsunterkunft in der Plankstraße, nur wenige Meter vom "Palazzo" entfernt, protestiert. Nach den Vorkommnissen in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten halte er eine Konzentration von männlichen Asylbewerbern an dieser Stelle für äußerst bedenklich, riskant, gefährlich und nicht verantwortbar. Er befürchte eine nicht kotrollierbare und "massive" Gefährdung der weiblichen Besucher und Mitarbeiter. Menninger möchte deshalb geklärt haben, welches Sicherheitskonzept zum Schutz der Bevölkerung, der weiblichen Gäste und Beschäftigten vor der Unterbringung der ersten Bewohner erstellt wird und von wem es umgesetzt wird. Außerdem fragt Menninger, wer die Verantwortung trage und bei entsprechenden Vorkommnissen Schadensersatz leiste.