Der Vorstandsvorsitzende des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr aus Bietigheim-Bissingen, Ralf W. Dieter,  zeigte sich bei der Vorstellung der vorläufigen Geschäftszahlen für 2018 am Donnerstag in positiver Stimmung. Der Grund: Im abgelaufenen Jahr konnte der Konzern mit Rekorden bei Umsatz und Auftragseingang aufwarten. Der Umsatz erhöhte sich um 4,2 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, der Auftragseingang um 3,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Nur ein Auftrag hätte noch gefehlt, dann hätte man die Vier-Milliarden-Grenze übersprungen, so Dieter. Dies wolle man  nun 2019 schaffen.

Wo viel Licht ist, kann allerdings auch viel  Schatten sein. So musste trotz  der positiven  Zahlen  das Bietigheimer Unternehmen mit seinen derzeit weltweit über 16 000 Mitarbeitern  einen Gewinnrückgang verzeichnen.  Das Ergebnis nach Steuern ging im Jahr 2018 um 18,1 Prozent auf 163,5 Millionen zurück, 2017 waren es noch 199,6 Millionen Euro.

Ursache dafür war unter anderem eine Rückgang von rund 21 Prozent im Geschäft mit Lackieranlagen, der aus dem schwierigen Wettbewerbsumfeld im Jahr 2017  und niedrigen Margen im damaligen Auftragseingang resultierte. 2018 nahmen die Auftragszahlen im Lackieranlagenbau dagegen wieder leicht zu.

Zuwachs in China

Gleichwohl konnte sich das Unternehmen am Weltmarkt trotz schwieriger Rahmenbedingungen behaupten. So erzielte die Homag Group im Geschäft mit der holzverarbeitenden Industrie mit 1,3 Milliarden Euro ein hohes Bestellniveau, wenngleich sich nach dem starken Vorjahr ein geringfügiger Rückgang um 2,2 Prozent ergab.

Um 12,1 Prozent auf insgesamt 883,9 Millionen Euro legte Dürr auf dem chinesischen Markt zu. Dürr profitierte dabei von steigenden Investitionen  in die Produktionstechnik für Elektroautos. Außerdem erweiterte der Markteintritt neuer Produzenten von Elektrofahrzeugen den Kundenkreis. Ebenso gab es einen Anstieg in  Australien,  Afrika und Asien, besonders beim Geschäft mit Japan und Korea. Hier lag die Wachstumsrate bei 49,6 Prozent, ein Anstieg des Volumens von 337,9 auf 505,4 Millionen Euro.  In Deutschland selbst stiegen die Aufträge um 27,1 Prozent von 592,7 auf 753,6 Millionen Euro.

Ein Minus von 14 Prozent auf jetzt 785,1 Millionen Euro gab es in Amerika, laut Dieter lag dies hauptsächlich am Automobilsektor. Ebenfalls ein Minus von rund 14 Prozent wurde 2018 in Europa (ohne Deutschland) verzeichnet. Dies habe im Jahresvergleich  seinen Grund in einem Großauftrag, der bereits 2017 einging. Für den Dürr-Vorstandsvorsitzenden bewegt man sich in Europa inklusive Deutschland jedoch immer noch auf einem hohen Niveau und China sei wieder „auf Kurs“.

„Weiter Gas“, so Ralf W. Dieter, werde Dürr im Service geben. In dieser Sparte stieg der Umsatz des Maschinenbauers erstmals auf über eine Milliarde Euro, im Vergleich zum Jahr 2017 ein Anstieg um 9,7 Prozent. Der Service teilt sich in den Umbau (42 Prozent), Ersatzteile (41 Prozent) und sonstige Dienstleistungen (17 Prozent), wie etwa Wartung, auf. Der Anteil des Service-Umsatzes am Konzernumsatz lag 2018 bei 26,8 Prozent, Ziel sind 30 Prozent. „Wir sind auf dem Weg dorthin“, so Dieter.

Die Finanzstruktur der Dürr AG zeigt sich solide, so Finanzchef Carlo Crosetto. Das Eigenkapital des Unternehmens stieg von 900,5 Millionen Ende 2017 zum Stichtag 31. Dezember 2018 auf 992,2 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl in Deutschland stieg auf 8152, ein Plus von 4,1 Prozent. Und Dürr sucht weiterhin Mitarbeiter, 300 Stellen seien unbesetzt.

Ein Teil der weltweit neuen Mitarbeiter resultiert aus dem 104 Millionen Euro teuren Kauf  der US-Unternehmensgruppe Megtec/Universal, mit der Dürr den Expansionskurs in der Umwelttechnik, speziell der Abluftreinigung, fortsetzen will. So soll der Kauf auch das Wachstum beschleunigen. In diesem Jahr peilt man eine Verdoppelung des  Umsatz auf 450 Millionen Euro an, bis 2021 auf 500 Millionen.

Einstieg in Batterietechnik

Bisher wurden von Megtec/Universal die Branchen Automobil, Pharma, Chemie, Nahrung und Druck mit Technik zur Abluftreinigung beliefert, neu hinzu sollen die Metall-, Bergbau- und Holzindustrie kommen. Daneben bietet Megtec/Universal auch Industrietrockner, Systeme zur Schalldämpfung und Systeme zur Beschichtung von Elektroden für Lithium-Ionen-Batterien. Dies bedeute für Dürr, so Dieter, ein Einstieg in die Batterietechnik.

„Wir reden nicht täglich über den Brexit“


Der Brexit bereitet Ralf W. Dieter keine schlaflosen Nächte. Bei Dürr rede man auch nicht täglich darüber. In England habe man rund 150 Beschäftigte im lokalen Geschäft und man sehe, was passiert. In England würden Automobilfirmen zugemacht, die Banken kommen nach Frankfurt. Die Engländer würden eine Rechnung dafür bekommen, so Dieter.

Auch zur Dividende bezog der Vorstandsvorsitzende der Dürr AG Stellung. Nach einer Gewinnwarnung kam die Dürr-Aktie stark unter Druck, in diesem Jahr müsse man bei der Dividende, vorbehaltlich der Entscheidung im Aufsichtsrat, mit einem „leichten Abschlag“ rechnen. Trotzdem sei die Dividende immer noch attraktiv, so Ralf W. Dieter.  itz