Rainer Maria Rilke und Russland – das ist wie eine tragische Liebe, ein Drängen ohne Happy End, eine Beziehung, die einen Menschen erfüllt und sich doch nicht auf den ersten Blick offenbart. „Rilke ist ganz russisch“, hat Boris Pasternak über seinen Freund geschrieben und damit auch für Dr. Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv nicht übertrieben.

Schmidt verantwortet für das Literaturarchiv ein Mammutprojekt, eine in dieser Form bisher einzigartige Kooperation, deren Ergebnis vom 3. Mai bis zum 6. August im Literaturmuseum der Moderne zu sehen sein wird. „Rilke und Russland“ heißt die Ausstellung mit rund 280 Exponaten und 100 Künstlerfotos, die in drei Ländern entstanden ist und bis Frühjahr 2018 dort auch gezeigt wird: in Deutschland, Russland und der Schweiz.

Ein deutsch-russisches Projekt (mit Schweizer Beteiligung), das klingt in Zeiten diplomatischer Unterkühlung gewagt. Gewagt  in logistischer Hinsicht, wie Schmidt berichtet: „Der Aufwand, diese Ausstellung über zwei EU-Außengrenzen hinweg zu organisieren, ist gewaltig, aber politisch wurden wir zu jeder Zeit gut unterstützt.“

Ein „Erweckungserlebnis“

Das Thema ist den Aufwand  wert, denn sicher nicht jeder weiß, dass einer der bekanntesten deutschsprachigen Lyriker sein „poetisches Erweckungserlebnis“, wie es Schmidt ausdrückt, in Russland und der heutigen Ukraine erfuhr, dass sein Werk von der Auseinandersetzung mit den „russischen Dingen“ geprägt ist. Die beiden Reisen des  25-Jährigen mit Lou Andreas-Salomé nach Russland (1899 und 1900) gehören für die Ausstellungsmacher neben der Italienreise Goethes zu den „wirkungsmächtigsten Auslandserfahrungen“ in der Literaturgeschichte. „Rilke war wie besessen von Russland, der russischen Sprache und Literatur. Er übersetzte Anton Tschechows Möve und andere Texte, dichtete auf Russisch und wollte schließlich nach Russland übersiedeln“, berichtet Schmidt. Daraus wurde nicht, auch wurden viele der jetzt zusammengetragenen Zeugnisse von Rilkes enger Verbundenheit vom Atem der Geschichte hinweggefegt. Umso erstaunlicher ist es, was die Ausstellung zutage fördert. Gezeigt werden Tagebücher, Dokumente und Bilder aus verschiedenen Archiven und Museen. Dazu gibt es aktuelle  Fotografien von Mirko Krizanovic und Barbara Klemm sowie einen Film von Anastasia Alexandrowa.

www-rilke-russland.net

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