Prozess Richter auf der Suche nach Motiv

Pleidelsheim / Bernd Winckler 31.08.2018

War es versuchter Mord oder nur versuchter Totschlag? Oder waren die Messerstiche ein Mordversuch mit Ansage? Im Schwurgerichtsverfahren gegen eine 42-jährige Pleidelsheimer Mutter, die, wie in der BZ  berichtet, laut Anklage ihre Tochter und deren Freundin durch Messerstiche teils lebensgefährlich verletzt hat, gehen die Richter des Stuttgarter Landgerichts jetzt auf Motivsuche.

 Mehrere Zeugen, die über die Hintergründe der Messerstiche vom 11. Januar dieses Jahres in dem Pleidelsheimer Friseurgeschäft berichten könnten, sind zum Teil nicht erreichbar oder vom Gericht nicht geladen worden. Dafür versuchen die Richter der Schwurgerichtskammer, vor der die 42-Jährige wegen zweifachen versuchten Mordes angeklagt ist, sich mit der Befragung von Vernehmungsbeamten der Ludwigsburger Mordkommission zu behelfen. Ein 30-jähriger Beamter sollte berichten, was er von Zeugen mitbekommen habe.

Pflicht zur Aufklärung

Doch seine Aussage am dritten Prozesstag am Donnerstag wurde von der Verteidigerin der Angeklagten beanstandet. Es dürfe laut der Strafprozessordnung nicht sein, dass ein Vernehmungsbeamter der Polizei über die Zeugenaussage eines Drittzeugen verwertungsrelevante Angaben vor Gericht macht, sagte die Anwältin und beantragte erneut, derartige Aussagen im Verfahren nicht zu verwerten. Doch der Vorsitzende Richter der Strafkammer entschied anders und begründete die Vernehmung des Zeugen mit der gebotenen Aufklärungspflicht, die das Gericht nun mal durchführen müsse, um das genaue Motiv der Tat zu ergründen.

 Da sei ein ehemaliger  Freund der Tochter bei der Polizei erschienen, um Angaben zu Hintergründen des Geschehens vom 11. Januar zu machen, sagte der Polizeibeamte. Er habe von Problemen zwischen Mutter und Tochter gewusst.  Für den Abend des Tattages habe die Mutter laut den Angaben eines anderen Zeugen per Textnachricht „Ärger“ für den Abend angekündigt, falls die Tochter sich nicht der türkischen Tradition unterordnen würde.  Doch dieser Zeuge ist bislang nicht auffindbar – er sei unbekannt verzogen, hieß es.

 Wie der Fall zu bewerten ist,  will das Gericht nun mit weiteren Zeugen und vor allem mit der Vernehmung von Gutachtern erhellen. Zudem hat das Gericht am Donnerstag eine Sommerpause bis zum 7. September verfügt.

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