Bietigheim-Bissingen Revolutionär im Buch

Bietigheim-Bissingen / um 05.07.2018

Umrahmt von der Sudetenstraße, der Banatstraße und der Schlesierstraße ist der Hans-Kudlich-Platz im Gebiet Buch. Die Namen lassen unschwer erkennen, dass auch Kudlich etwas mit den ehemaligen deutschen Ostgebieten zu tun haben muss, die im Buch, dem Wohngebiet, in dem Heimatvertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Zuhause fanden, einen breiten Raum einnehmen.

In der Tat stammte Hans Kudlich (1823 bis 1917) aus Lobenstein in Österreichisch-Schlesien. Er ist eine interessante, wenngleich hierzulande wenig bekannte historische Figur. Kudlich, der in Wien zuerst Philosophie, dann Rechtswissenschaften studiert hatte, beteiligte sich an der Revolution von 1848/49 mit hohem Einsatz. Im März 1848 wurde er bei einer Demonstration durch einen Bajonettstich verletzt. Im Juni wurde er in den österreichischen Reichstag gewählt und setzte sich dort für die Befreiung der Bauern von Pflichten wie Frondienst und Zehnten ein. Nach der Auflösung des Parlaments flüchtete der Schlesier im Frühjahr  nach Frankfurt und nahm am Pfälzischen Aufstand teil. Nach dessen Niederschlagung ging er wie viele andere Revolutionäre in die Schweiz, wurde Arzt und wanderte schließlich in die USA aus. Für seine revolutionären Aktivitäten wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt und erst 1867 von Kaiser Franz Joseph begnadigt. Kudlich starb 1917 in New Jersey. In Bietigheim war er als Namensgeber nicht unumstritten: Ein Einwand lautete bei der Diskussion 1954, dass sich Einheimische unter seinem Namen nichts vorstellen könnten. Am Ende setzten sich aber die Befürworter durch.

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