Ingersheim Rettungsübung mit Aussicht

Von Vivien Staib 10.09.2018

Mit lauten Sirenen kündigen sich die Ingersheimer und die Bietigheimer Feuerwehr am Samstagmittag um 14 Uhr im Burgweg in Kleiningersheim an. Ziel ist das historische Schloss, in dem neun Menschenleben und Kulturgut auf dem Spiel stehen. Glücklicherweise ist die Rettungsaktion der Freiwilligen Feuerwehr am Samstag nur die große Jahreshauptübung und kein Ernstfall.

Mit mehr als 50 Mann und 3 großen Einsatzwägen, rücken die Einsatzkräfte aus, um das Schloss von den imaginären Flammen zu befreien. Zudem wurden noch neun Personen, die ebenfalls Feuerwehrmitglieder sind, im Gebäude positioniert, die es von den Einsatzkräften zu retten gilt. Die Jahreshauptübung findet an wechselnden Orten statt. Etwa alle zehn Jahre wird die Übung im Schloss durchgeführt. „Das Schloss ist sehr verwinkelt und besitzt zudem noch Holzdecken. Im Falle eines Brandes müssen wir optimal vorbereitet sein, um Menschenleben und Kulturgut retten zu können“, erklärt der Hauptkommandant der Feuerwehr Ingersheim, Andreas Fritz.

Wasser aus drei Quellen

Das Wichtigste ist laut Kommandant, dass die Wasserversorgung sichergestellt sei und einwandfrei funktioniere. Dies schaffe die Grundlage für den reibungslosen Rettungsablauf. Aus diesem Grund zapft die Feuerwehr für ihren Großeinsatz gleich drei verschiedene Wasserquellen an: Die erste ist ein nahegelegener Hydrant, von dem 800 Liter Wasser pro Minute abgeschöpft werden können. Als zweite Quelle dient ein Wasserfass, das am Kleiningersheimer Feuerwehrmagazin positioniert ist. Dieses fasst rund 50 000 Liter Löschwasser. Die dritte natürliche Wasserquelle stellt der Neckar dar: Die Einsatzkräfte legen rund einen Kilometer Schläuche an, um das Wasser aus dem Fluss nutzen zu können. Alle 500 bis 600 Meter werden zudem Pumpen an den Schläuchen angebracht, um den Druckausgleich zu garantieren. „Wir haben hier einen Höhenunterschied von knapp 70 Metern, den wir unbedingt mit einberechnen müssen“, erklärt Ehrenkommandant Wolfgang Veigel.

Vorbereitung ist A und O

Hauptziel des großangelegten Einsatzes ist es, alle neun versteckten „Opfer“ aus dem Schloss zu befreien und gleichzeitig den vorgetäuschten Brand zu löschen. „Die Vorbereitung ist für solch einen Einsatz das A und O. Wenn es bei dem historischen Schloss zu einem Brand kommt,  sind wir in der Lage, in kürzester Zeit alle Brandgefährdeten zu retten und das Feuer sehr schnell zu löschen“, sagt Kommandant Fritz.Thomas Leibrecht, der Schlossherr, ist froh, dass an dem kulturellen Gebäude geübt wird: „So können sich alle Besucher und Mitarbeiter im Schloss sicher fühlen. Und man muss keine Angst haben, das Schloss im Brandfall komplett zu verlieren.“

Wichtig für den Großeinsatz sind jedoch nicht nur jene Einsatzkräfte, die den Brand löschen und in das brennende Gebäude eintreten. Um den Überblick zu behalten, gibt es eine Führungsgruppe, die mit den Einsatzkräften ständig in Verbindung steht. „In unserem ‚Büromobil’ werden alle Informationen gesammelt und aufbereitet, um unnötige Gefahr zu vermeiden. Es wird genauestens notiert, wann jemand gerettet wurde und ob Abläufe so funktionieren, wie sie sollten“, erklärt Martin Ötzle, ein Mitglied der Führungsgruppe. Das „Büromobil“, wie das Gefährt liebevoll von seinen Insassen genant wird, prüft außerdem, ob die Anzahl der Einsatzkräfte ausreicht, führt ein Protokoll der Rettungsaktion und behält den Überblick – für die Feuerwehrmänner und -frauen, die im Gebäude ihr Leben aufs Spiel setzen.

Um 14.44 Uhr wird notiert, alle Opfer gerettet, Brand gelöscht. „Durch die Kooperation mit der Bietigheimer Feuerwehr funktionieren Brandübungen wie diese nahezu perfekt. Ich bin sehr stolz auf alle meine Feuerwehrkräfte und auf die unglaublich gute Zusammenarbeit“, war der Ingersheimer Kommandant voll des Lobes.