Feldlerche und Rebhuhn, Wendehals und Grauspecht, Feuersalamander und Grasfrosch: sie alle fühlen sich auf der Gemarkung der Gemeinde Ingersheim wohl und haben hier ihren Lebensbereich.

„Ingersheim steht erfreulich gut da“, erläuterte Kerstin Schlange von Planbar Güthler aus Ludwigsburg, die im Auftrag der Gemeinde eine „Partizipative Biotopvernetzungskonzeption“ erstellt haben, die jetzt im Gemeinderat vorgestellt wurde.

Dabei geht es darum, das Artensterben bei Tieren und Pflanzen zu verhindern, indem bestehende Lebensräume erhalten sowie neue geschaffen und möglichst miteinander vernetzt werden. Von Frühjahr 2018 an bis zum Sommer 2019 wurden unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen und naturschutzfachlichen Belange eine umfangreiche Bestandsaufnahme erstellt und verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen.

Dazu wurde ein Arbeitskreis gebildet, der aus örtlichen Landwirten, Wengertern, Jagdpächtern, Vertreter des Naturschutzes, des Landschaftserhaltungsverbandes, der Obst- und Gartenbauvereine, der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderates sowie der Fachämter für Landwirtschaft und Naturschutz des Landratsamtes bestand.

„Hier sind langjährige Erfahrungen der Beteiligten mit eingeflossen“, so Kerstin Schlange. Das Untersuchungsgebiet umfasste auf  der Gemarkung Ingersheim  Äcker, Wiesen, Streuobstwiesen, Reb- und Wasserflächen. Ausgenommen waren  Waldgebiete, Verkehrs- und Siedlungsflächen.

Das Konzept zur Biotopvernetzung sieht den Erhalt und die Wiederbelebung von Streuobstwiesen, den Erhalt und die Entwicklung von Wiesen und Ufersäumen, extensive Ackernutzung mit Blühstreifen und Buntbrachen, den Erhalt und die Entwicklung von Stillgewässern und den Erhalt der offenen Steillagen-Terrassen und Trockenmauern in den Weinbergen vor.

Für ackerbedingte Standorte bedeutet das zum Beispiel die Verbesserung des Brutplatz-, Nahrungs- und Deckungsangebots für sogenannte Offenlandbrüter wie die Feldlerche und das Rebhuhn in zusammenhängenden Ackergebieten. Als Beispiele führte Kerstin Schlange unter anderem auch das Siegental an, in dem die Streuobstbestände erhalten und die kleinflächigen Feuchtbiotope miteinander verbunden werden sollen.

Für die ausführlichen Erläuterungen bedankte sich Bürgermeister Volker Godel und stellte fest, dass man mit diesem Maßnahmenkatalog eine gute Grundlage zur Umsetzung in der zukünftigen Landschaftsplanung habe. „Es ist eine Handlungsanweisung für uns, die wir nutzen wollen.“ Um die Priorisierung der Maßnahmen müsse man sich Gedanken machen, kurz- bis mittelfristig sind aber einige Maßnahmenvorschläge durchaus umsetzbar.

Zum Teil seien von Seiten der Landwirte auch schon Maßnahmen umgesetzt worden, wie die Einsaat von Saatgutmischungen auf den Graswegen und angrenzenden Wegsäumen, um wieder mehr Nahrungs- und Rückzugsräume zu schaffen.

Thorsten Majer, Gemeinderat der SPD lobte daher auch die Zusammenarbeit mit den Landwirten. „Wir haben hier in der Gemeinde echte Schätze, die mehr Wertschätzung verdienen.“ Die Kosten dafür müsse man im Blick behalten und die Maßnahmen „Stück für Stück“ abwägen, es sei aber eine gute Investition.

Gemeinderat Karl Seitz (FWV) wünscht sich, dass die Bevölkerung „mit offenen Augen durch die Landschaft geht“ und jeder seinen Teil dazu beitrage, die Flora und Fauna zu erhalten. Mit einer Enthaltung stimmte der Ingersheimer Gemeinderat der vorgelegten Konzeption zur Biotopvernetzung zu.

Info Die über 100-seitige partizipative Biotopvernetzungskonzeption ist online nachlesbar unter www.ingersheim.de unter dem Menüpunkt Ratsinformationssystem, GR-Sitzung vom 5. November 2019.