. „Sie haben gezielt alte Menschen ins Visier genommen“, sagt die Vorsitzende Richterin Ursula Ziegler-Göller bei der Urteilsbegründung am Dienstagmittag und spricht damit direkt die Angeklagte an. Die in Ludwigsburg geborene und in Mundelsheim lebende 35-jährige ehemalige Angestellte der Südwestbank-Filiale in Bissingen hat laut Urteil in 20 Fällen gewerbsmäßig Geld von Kundenkonten unterschlagen und in 19 Fällen dazu gewerbsmäßig Urkunden gefälscht. Insgesamt um fast 150 000 Euro hat die ehemalige Kundenberaterin dabei teilweise hochbetagte Menschen „abgezogen“, wie es die Richterin formuliert.

Die Masche war dabei relativ simpel, zeige laut Ziegler-Göller jedoch ein hohes Maß an krimineller Energie. Die Angeklagte hat meist Konten von älteren Menschen ohne deren Wissen auf elektronische Bankauszüge umgestellt. Dann fingierte sie Auszahlungen an den Kunden, steckte das Geld jedoch selbst ein. Schon Ende 2017 soll es angefangen haben und es ging bis Mitte des Jahres 2018, bis die Machenschaften aufflogen.

Die Angeklagte selbst zeigt sich bei Gericht zurückhaltend und meidet den Augenkontakt zum Zuschauerbereich, wo unter anderem eines ihrer Opfer Martha Müller (Name von der Redaktion geändert) mit Anwalt und Tochter sitzt. Die Einlassungen zur Person, also Geburtstag, Ausbildung und Familienstand beantwortet die 35-Jährige, das aber so leise, dass der Vertreter der Staatsanwaltschaft sie bitten muss, lauter zu sprechen. Weil sie wegen einer Autoimmunerkrankung im Krankenstand ist verfüge sie über 1500 Euro monatlich, teilt sie mit. Neben dem Geld, dass sie den Kunden gestohlen hat, hat sie noch 60 000 Privatschulden.

Wie es zu den Taten kam, die sie allesamt einräumt, lässt sie über ihren Strafverteidiger verlesen. Sie wollte beim Geschäft eines Freundes einsteigen, sagt sie und dazu habe man zunächst mit einem Trick das Konto einer Toten geplündert. Danach habe der Freund und eine weitere Person sie erpresst und gedroht ihre Mitwirkung auffliegen zu lassen, wenn sie nicht weitermache. Sie habe Angst vor diesen Leuten und wolle daher ihre Namen nicht nennen. Nachfragen zu der Erklärung beantwortet die Angeklagte, die wegen Verdunkelungsgefahr schon vier Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, nicht. Inzwischen hat sie zivilrechtlich ein notariell beglaubigtes Schulanerkenntnis zu dem gestohlenen Geld verfasst.

Vorbestraft ist die Angeklagte nicht und so entscheidet das Schöffengericht auf eine Strafe von zwei Jahren Gefängnis, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Die 35-Jährige muss 500 Sozialstunden ableisten und darf sich drei Jahre lang nichts mehr zu Schulden kommen lassen. „Sie hat ihre Lektion gelernt“, sagt die Richterin.

Die anwesenden Vertreter der Südwestbank wollen sich nicht zum Urteil äußern. Müller hingegen zeigt sich enttäuscht. Sie hatte ein besonderes Vertrauensverhältnis zu der 35-Jährigen und glaubt nicht, dass diese geläutert ist. Im Gegenteil, nun könne sie weitermachen wie bisher, meint die Seniorin. Wie ihr Schaden ersetzt wird, sei bislang noch nicht klar, eine endgültige Einigung mit der Bank stehe noch aus. „Ich bin gesundheitlich ohnehin angeschlagen“, sagt die über 80-Jährige nach der Verhandlung, „und diese ganze Sache trifft mich sehr. Es geht mir noch schlechter jetzt nach dem Urteil.“