Bietigheim-Bissingen / Diana Birk  Uhr

Einen Kaffee, bitte!“. Sie trägt ihre braunen Haare offen, genießt ihr Heißgetränk und versprüht Vertrauen, Ruhe und Gelassenheit. Auch wer Lia, die mit bürgerlichem Namen Julia Jurewitsch heißt, erst kennenlernt, hat schnell das Gefühl sich mit einer guten Freundin zu unterhalten.

Die Bietigheimerin mit ukrainischen Wurzeln rappt und macht Musik seit sie sechzehn Jahre alt ist. Vor drei Jahren hat sie das Rappen etwas reduziert und konzentriert sich nun auf das Produzieren von Musik anderer Künstler. „Ich produziere, schreibe auch an den Texten mit oder gebe einfach Input, wo ich kann.“

Der Entschluss, sich im musikalischen Bereich eher im Hintergrund zu halten, kam nicht einfach über Nacht. „Früher, als ich noch viel selbst aufgenommen habe, habe ich im Studio andere beim Produzieren beobachtet und fand es schon immer sehr interessant.“ Dabei habe Lia bereits einiges gelernt, hat sich später in kürzester Zeit alle nötigen Fähigkeiten selbst angeeignet.

Lia hat sich selbst ein großes Ziel gesetzt. „Ich möchte irgendwann mit den ganz Großen mithalten können. Ziel ist der US-amerikanische Musikmarkt.“ Ihre Idole seien Künstler wie Nicki Minaj, Beyoncé, Cardi B, Travis Scott und Drake. „Die US-Amerikaner sind in der Musik einfach immer einen Schritt voraus. Gerade Hiphop ist dort viel mehr in die Kultur integriert als hier in Deutschland.“

Die Bietigheimerin vergleicht sich auch mit Größen wie Timbaland. „Er ist einfach unfassbar gut. Zu sehen, wie weit weg ich noch von ihm bin, hilft mir einfach sehr dabei zu wachsen und mich stetig zu verbessern.“ Ihr Selbstzweifel und ihr selbstkritisches Wesen helfen ihr außerdem dabei auf dem Boden zu bleiben und zu lernen, an sich selbst zu glauben.

Sich in der Szene zu beweisen sei eben auch ein Teil des Berufs als Musikerin und Produzentin. „Es ist dabei egal, ob männlich oder weiblich: du musst was drauf haben.“ Zudem seien weitere Aspekte wichtig, die eine Zusammenarbeit angenehmer machen. „Man muss gerne mit dir arbeiten wollen. Ich bin sehr umgänglich, zuverlässig und loyal. Die schwäbische Mentalität lehrte mich stets pünktlich und gründlich zu sein.“ Auch in der Szene könnten Freundschaften entstehen. „Rapper Dardan aus Stuttgart habe ich vor Jahren zufällig im Studio kennen gelernt. Wir haben uns super verstanden. Daraus entsteht dann auch eine tolle Zusammenarbeit.“

Mit anderen Künstlern zu arbeiten, selbständig zu sein – ein wahrgewordener Traum für Lia. „Ich liebe meinen Job. Ich arbeite wann und mit wem ich will. Kreiere Songs mit tollen Künstlern. Das ist Freiheit.“ Manchmal verbringe sie fast jeden Tag in ihrem Studio und das bis zu zwölf Stunden am Stück. „Sind wir im Flow, dann ziehen wir einen Song durch, bis er fertig ist. Einmal kam es schon vor, dass wir drei Tage lang im Studio waren und sogar dort geschlafen haben. War wie in einer WG.“

Ihre Inspiration zieht Lia schon immer aus den Beats, die sie hört. „Wenn der Beat gut ist, entstehen gleich Bilder und gewisse Szenarien im Kopf. Dann kann ich sofort losschreiben.“ Musik müsse vor allem einfach Spaß machen und ein Gefühl von Leichtigkeit vermitteln. „Der Text ist oft zweitrangig. Für mich sind der Beat und die Performance des Künstlers, seine Melodiegänge und seine Flows am wichtigsten.“

Ihre Herkunft, ihre Familie und ihre Freunde spielen eine sehr große Rolle in Lias musikalischer Laufbahn. Gerade deshalb bleibe sie ihrer Heimat treu. „Hier ist meine Basis. Hier ist meine Familie. Ich habe hier Freunde, die ich seit über zehn Jahren kenne. Das gibt mir Halt.“ Sie habe schon überlegt, nach Berlin zu ziehen. Aber die Hauptstadt sei einfach kein Ort wie Bietigheim. „Mir ist es auch sehr wichtig zu zeigen, dass ich ukrainische Wurzeln habe. Das ist Teil meines Wesens, meiner Mentalität.“

Lia trinkt ihren letzten Schluck Kaffee, bedankt sich für das Gespräch und steht auf. „Ich gehe jetzt zu meiner Oma. Sie macht heute Wareniki. Quasi russische Maultaschen. Mein Lieblingsessen.“