Fahrzeuge als Blockadebrecher und ein verstärktes Polizeiaufgebot auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt, Videokameras auf dem Ludwigsburger Bahnhof – Sicherheit ist ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Noch gab es im Kreis keinen Vorfall wie in der Silvesternacht in Köln oder bei den Anschlägen in Würzburg, Ansbach und zuletzt in Berlin. Doch die Polizei ist alarmiert, die Dienste privater Sicherheitsunternehmen sind zunehmend gefragt.

Dem Satz, dass das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung unter den jüngsten Ereignissen gelitten habe, stimmt Peter Widenhorn, der Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums, ohne zu zögern zu. Auch die Zahl der Bürger, die sich aus Angst vor einer Gefahr direkt an die Polizei gewandt haben, könnte leicht gestiegen sein, meint Widenhorn. Allerdings sei das nur eine subjektive Einschätzung, ohne statistische Auswertung. Gleichzeitig warnt er aber vor Panikmache. „Es besteht kein Anlass zu übertriebener Sorge“, die Polizei tue zur Gefahrenabwehr alles, was sie könne.

So haben die Sicherheitskräfte mit ihren Maßnahmen am Ludwigsburger Weihnachtsmarkt schnell reagiert, und auch auf Silvester sei man vorbereitet, so der Polizeisprecher. Es werde – wie überall im Land – mehr Streifen geben, Örtlichkeiten, an denen sich viele junge Leute treffen, wie etwa den Akademiehof in Ludwigsburg, werde man besonders im Blick haben. Falls etwas passiere, sei man logistisch vorbereitet.

Doch die Gewährleistung von Sicherheit ist nicht mehr allein Sache der Polizei.  Die Anfragen bei privaten Sicherheitsunternehmen sind vor allem nach den Anschlägen in Frankreich kurzfristig gestiegen. Allerdings: „Wenn das Thema Sicherheit hochkommt, darf’s meistens nichts kosten“, sagt Philip Werner, Meister für Schutz und Sicherheit und Geschäftsführer der SOW Sicherheitsdienst GmbH aus Benningen. Verschärfte Kontrollen an Eingängen, die Präsenz von Sicherheitsleuten und die Sperrung von Zufahrten mit Pollern würden den Besuchern zwar ein „subjektives Sicherheitsgefühl“ vermitteln, seien aber letztendlich nur schnelle, kostengünstige Maßnahmen, die meist nicht einheitlich durchgeführt würden. „Man muss auch bedenken, dass es zum Beispiel bei tonnenschweren Pollern zu Wechselwirkungen kommen kann, denn sie schaffen auch Barrieren, wenn Leuten der Fluchtweg abgeschnitten wird oder Krankenwagen nicht schnell genug reinkommen können“, meint Werner. Poller, die sich automatisch absenken, um Fluchtwege zu öffnen, seien aber eine kostspielige Angelegenheit und nicht überall kurzfristig einsetzbar. Sicher ist sich Philip Werner, dass der Bedarf an privaten Sicherheitsdiensten steigen werde. Die Polizei „kann das alles allein nicht mehr vollständig leisten“.

Silke Wollmann, Pressesprecherin des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW) bestätigt, dass es „ein immenser Kostenfaktor“ sei, für Sicherheit zu sorgen. Gefahrenfaktoren seien zudem bei jeder Veranstaltung anders. Während bei Großveranstaltungen wie Open-Air-Konzerten die Besucher durchaus ein Bewusstsein für längere Kontrollen beim Einlass entwickelt hätten, sehe das bei kleineren Festen anders aus.

Eine Erfahrung, die auch Marco Klett, Geschäftsführer der KS-Group GmbH in Ingersheim mit seinem Sicherheitsunternehmen gemacht hat. „Gut 70 Prozent der Leute begrüßen die verschärften Sicherheitskontrollen und bedanken sich auch dafür“, so seine Erkenntnis. Allerdings gebe es auch diejenigen, die verstärkte Kontrollen „für Schikane und Panikmache“ halten und dementsprechend reagieren. „Man muss behutsam mit dem Thema umgehen, die Leute wollen nicht noch mehr verunsichert werden.“ Trotzdem müsse man einiges an Maßnahmen auch nach dem Attentat in Berlin neu überdenken.

Diese Einschätzung teilt auch Silke Wollmann vom BDSW: Seitens der Veranstalter und der privaten Dienste werden Sicherheitskonzepte „für Open Airs im Sommer sicher anders aussehen als in früheren Jahren.“ Eines solle man aber nicht vergessen: Nach Terroranschlägen „mag das subjektive Sicherheitsempfinden bei der Bevölkerung kurzfristig sinken, aber im Verhältnis zu anderen Ländern sind wir objektiv gut gesichert“.

Wie gut, wird erst die nächste polizeiliche Kriminalstatistik zeigen, die in der Regel im Frühjahr vorgelegt wird.

„Keine besondere, übertriebene Angst“


Mitarbeiter des Weißen Rings haben täglich mit Menschen zu tun, die Gewalt erfahren haben, oder geben Tipps, wie man sich verhalten kann. Vermehrte Anrufe nach den jüngsten Vorkommnissen oder mit Blick auf Großereignissen wie Silvester gibt es bei der Beratungsstelle in Ludwigsburg aber nicht. „Es gibt keine besondere, übertriebene Angst“, stellt der Leiter Hermann Dengler fest. Viele Menschen gingen ruhig und sachlich mit den Themen um, was nach seiner Einschätzung aber auch daran liegt, dass bislang in der Region nichts passiert sei. „Und viele finden es gut, dass Sicherheitsmaßnahmen verschärft wurden“, sagt er. Sollte dennoch etwas wie in den bayrischen Städten oder in Berlin passieren, seien er und sein Team gewappnet. „Wir wissen, wie wir mit solchen Fällen umgehen müssen“, sagt der ehemalige Kriminalbeamte. Und es gibt hinterher auch Hilfemöglichkeiten für die Helfer selbst, wenn nötig. jsw