Das geht ja gut los: Die Premierengäste des "Schwabenaufstand" trinken nach dem gerade errungenen Einzug der DFB-Elf ins WM-Halbfinale ein Gläschen auf ihre Jungs', da betreten lautlos grau gekleidete, vermummte Gestalten das Gelände, mischen sich unter die Besucher, steigen auf Obstkisten und Bänke und rufen Parolen wie "Der Mensch ist frei geschaffen": Ein überraschender, fast martialischer, aber auf jeden Fall sehr aufständlerischer Auftakt der jüngsten TuD-Inszenierung.

Nachdem ein junger Zeitungsverkäufer mit seinen "Extrablatt-Rufen" die Besucher ins Innere der stillgelegten Ziegelei führt, erzählt die spiel- und experimentierfreudige Schauspielerriege (Schauspiel-Trainerin Elfi Veyisoglu hat ganze Arbeit geleistet) in einer Werkshalle den ersten von Autorin Barbara Schüßler recherchierten und zu Papier gebrachten Aufstand: Die graue Truppe, jetzt mit neonfarbenen Strumpfmasken überm Gesicht, zeigt den 1514 unter der absolutistischen Herrschaft von Herzog Ulrich stattgefundenen Aufstand des "Armen Konrad", ein Bündnis des Gemeinen Mannes, das letztendlich blutig niedergeschlagen wurde. Schon hier zeigt sich, warum es sich immer wieder lohnt, der tingelnden TuD-Truppe hinterher zu reisen: Da wird ein Text nicht nur runtergerattert, sondern durch viele einfallsreiche Regieideen (Christine Gnann darf sich bereits das siebte Mal so richtig austoben), eine phantasievolle Ausstattung (großes Kompliment an die Bühnen-und Kostümbildnerin Judith Philipp) und einen gekonnten Einsatz von Licht- und Tontechnik so aufgepeppt, dass einem manchmal fast schwindlig wird.

Da ist es gut, dass zwischen den sehr lebendigen, quirligen Szenen auch das ruhige, ausdrucksvolle Spiel Raum findet: Insbesondere die Geschichte der Kommunistin Lina Haag, der es gelang, von Himmler die Freilassung ihres inhaftierten Mannes zu erwirken, berührt die Besucher sehr nachhaltig. Sehr dicht ist auch die im Außengelände spielende RAF-Szene: Auf der einen Seite die drei auf einem Autowrack sitzenden und auf mechanischen Schreibmaschinen klappernden Linksterroristen, denen bei allem Protest und bei aller Guerilla-Kampf-Manier die blanke Hilflosigkeit ins Gesicht geschrieben ist.

Auf der anderen Seite die "Ankläger", die mit Papiertüten auf dem Kopf in Zwischenrufen das menschliche Grauen hinter den Morden aufzeigen. In der einzigen "lustigen" Szene erteilt der "Remstalrebell" Helmut Palmer vor einem mit Äpfeln befüllten und mit Informationen zu Leben und Werk des Pomologen bepinselten Anhänger Unterricht in Sachen Obstbaumschnitt und Zivilcourage.

In der Einsumpfgrube der Ziegelei endet der "Schwabenaufstand" dann mit einer Performance: Während eine Opernsängerin (aus der Konserve) lautstark den Tod eines Baumes besingt und die S21-Protestcamp-Zelte dazu tanzen, wird im Hintergrund ein effektvoll beleuchteter und eingenebelter Riesenbagger von lautlosen Widerständlern erobert. Spannender, kunstvoller und bewegender kann man sich regenden Protest kaum darstellen.

Info
Wer den "Schwabenaufstand" sehen möchte, sollte sich beeilen. Es gibt lediglich für die Zusatzveranstaltung am Donnerstag, 31. Juli, ein paar Restkarten. Infos unter www.theater-dauseck.de.