Plastik-Scham

knz 17.07.2018

Ein unwachsamer Moment an der Kasse genügt und die Wassermelone landet in einer Plastiktüte. Und das völlig sinnfrei, denn das dünne Ding hält den Sieben-Kilo-Koloss nie und nimmer. Also wird die Melone trotzdem abwechselnd auf der Schulter und unter dem Arm nach Hause getragen – verpackt in den Feind der Weltmeere. Da Plastiktüten mittlerweile (völlig zurecht natürlich) als Inkarnation des Teufels gelten, gibt es schon von der ersten Dame auf der Straße verachtende Blicke. Auch die anderen scheinen nur auf die grüne Tüte zu starren. Oder ist es alles nur Einbildung und bloß das eigene schlechte Gewissen, das sich da meldet. Endlich, nach zahllosen durchbohrenden Augen naht die Rettung. Ein Rentnerpaar mit zwei kleinen Brötchen-Tütchen – verpackt in eine große Plastiktüte. Dieses noch unnötigere Verbrechen an der Umwelt ist eine große Erleichterung für das von Vorwürfen geplagte Gewissen.

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