Die Menschen werden älter. Die Liste der Beratungspunkte, die der Kreistag zum Thema Pflege behandelt, wird in der Folge ständig länger. Der Landkreis hat wichtige Zuständigkeiten in der Betreuung alter Menschen und Finanzierung der Pflege. So wurden die Mitglieder des Sozialausschusses am Montag darüber unterrichtet, dass es Neuerungen in der Pflegeberatung gibt. Ebenfalls vorgestellt wurden Pläne gegen den Mangel an Plätzen für die Kurzzeitpflege.

„Das Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen im Landkreis Ludwigsburg stagnierte seit Jahren“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Und der Bedarf wächst. Der Kreispflegeplan nennt einen Bedarf von 160 Kurzzeitpflegeplätzen. Knapp 100 fehlen.

Modellversuch seit 1. Oktober

Nun versucht es die Verwaltung seit 1. Oktober, mit einem Modellversuch im Rahmen des Innovationsprogramms Pflege 2019 des Landes Baden-Württemberg die Pflegekapazitäten auszubauen. Bis zum Jahr 2022 werden im Landkreis „Unterstützungsformen für die Versorgung/Pflege auf Zeit- und Kurzzeitpflege entwickelt und erprobt“. Bürgerliches Engagement und Gastfamilien sollen pflegebedürftige Menschen für kurze Zeit aufnehmen, damit sich Familienangehörige für wenige Stunden oder auch für ein paar Tage eine Auszeit von der Betreuungsarbeit nehmen können. Die Kreisverwaltung übernimmt die Beratung und Koordination sowie den Aufbau eines Netzwerks.

Stationäre Pflegeeinrichtungen verhielten sich bislang eher zurückhaltend bei der Schaffung von Kurzzeitpflegeplätzen. „Aus wirtschaftlichen Erwägungen“, hatte die Begründung gelautet. Der ständige Wechsel in den Kurzzeitpflegebetten erhöht die Kosten. Tage ohne Belegung bringen der Einrichtung kein Geld. Doch nach und nach würden Hürden beseitigt, stellt die zuständige Fachbereichsleiterin Heike Dierbach fest. So ist für die Kurzzeitpflege eine Unterbringung in Doppelzimmern zulässig. Das gibt den Einrichtungen zusätzliche Belegungsfreiheiten.

Das Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen habe sich durch neue Planungen „mehr als verdoppelt“, sagt Dierbach. Insbesondere das Angebot einer zentralen Vermittlung in Verbindung mit Ausfallgeld für leere Betten sowie einer möglichen Investitionsbeteiligung haben dazu geführt, dass nach ihren Angaben weitere 36 Kurzzeitpflegeplätze im Landkreis in Planung sind. Die Kleeblatt-Pflegeheime wollen zwölf Plätze schaffen, das Breitwiesenhaus in Gerlingen zehn und die Karlshöhe Ludwigsburg 15 Plätze. Finanzielle Anreize gibt das Land: Es fördert Baukosten in Höhe bis 50 000 Euro pro Platz im Neubau sowie 75 Prozent aus 50 000 Euro pro Platz für Umbauten. Ein Einzelzimmer zu bauen und einzurichten, kostet knapp 150 000 Euro.

Um von solchen Pflegeangeboten zu erfahren, ist Beratung notwendig. Dafür gibt es den Pflegestützpunkt des Landkreises. Er hat seinen Sitz im Landratsamt Ludwigsburg und Außenstellen in Bietigheim-Bissingen und der Stadt Ludwigsburg. Festgelegt ist ein Betreuungsschlüssel von eins zu 60 000 Einwohnern. Bei derzeit bald 550 000 Kreisbewohnern stehen dem Pflegestützpunkt folglich rund zehn Vollzeitstellen zu.

Beratung vor allem telefonisch

Die Mitarbeiter beraten vor allem am Telefon und machen Beratungen vor Ort in den Kreiskommunen. Nach Ansicht von Fachleuten sollte der Betreuungsschlüssel angesichts des demografischen Wandels auf eins zu 30 000 gesenkt werden. Doch eine Verdoppelung der Mitarbeiterzahl im Pflegestützpunkt wird es nach Erwartung der Kreisverwaltung so schnell nicht geben. Die Kosten je Vollzeitstelle werden zu einem Drittel von den Krankenkassen, einem Drittel von den Pflegekassen und zu einem Drittel vom Landkreis und den beteiligten Städten getragen. Pro Stelle ist ein Betrag von 102 000 Euro kalkuliert. Immerhin knapp zwei zusätzliche Vollzeitstellen sollen im kommenden Jahr hinzukommen – sofern die Mittel im Kreishaushalt zur Verfügung stehen.