In der Großingersheimer Martinskirche sind auf einem Holzbrett in der Sakristei drei Pfarrer verzeichnet, die von 1606 bis 1632 ihren Dienst in Großingersheim verrichteten.

Gottfried Thumm, um 1544 in Wolfschlugen geboren, war in Großingersheim nur eine kurze Dienstzeit als ePfarrer beschieden. Im Kirchenvisitationsprotokoll von 1599 heißt es, es gebe über ihn nichts zu klagen, „weder an der Lehr, noch am Leben; commendieren ihm, daß er sein officium fleißig versehe, auch samt den seinen sich ohnärgerlich verhalte.“ Im gleichen Jahr wurde Gottfried Thumm allerdings schon nach Bonlanden versetzt, wo es viel Streit gegeben haben soll, berichtet Helmut Thumm, der die Papiere der Familie zusammengetragen hat.

Fleißig, still und eingezogen

Im April 1606 kam Pfarrer Gottfried Thumm schließlich nach Großingersheim. Bei einer am
3. April 1605 gehaltenen Visitation hatte er „sein anbefohlenes Ministerium (Pfarramt) noch nicht bezogen“, er dürfte aber kurz darauf in die Gemeinde gekommen sein. Im Jahr 1609 bat Gottfried Thumm darum, ihn wegen seines hohen Alters zu verleibdingen, also mit einer Rente auf Lebenszeit auszustatten, und seinen Sohn ins Pfarramt einzusetzen.

Johann Gottfried Thumm, Pfarrer und Doktor der Theologie, wurde als Nachfolger seines Vaters 1609 in Großingersheim eingesetzt. Im Kirchenzeugnis steht über ihn, „daß er fleißig, still und eingezogen, ein feiner junger Prediger sei, der sich täglich bessere, allein hat er sich überweibet (eine Frau höheren Standes geheiratet), indem sie meisterlos heßlich, stets blöd und krank dazu ist“.

In die Amtszeit von Johann Gottfried Thumm fiel der große Umbau der Martinskirche, der durch den württembergischen Hofbaumeister und Baumeister der Renaissance, Heinrich Schickhardt, veranlasst wurde. Damals wurde der künstlerisch wertvolle Emporenaufgang an der nördlichen Außenseite der Kirche geschaffen. Pfarrer Thumm hat an diesen Baumaßnahmen als „Hausherr“ wesentlich mitgewirkt. Johann Gottfried Thumm verstarb am 30. März 1623 und das Pfarramt bleib weiter in Familienhand.

Johann Gottfrieds Bruder Andreas Thumm trat noch im selben Jahr dessen Nachfolge an. Es waren schwer Zeiten, die Richard Stein in seiner Ortschronik aus dem Jahre 1903 beschreibt. So wütete 1626 in Kleiningersheim die Pest, die in sieben Monaten 76 Einwohner dahinraffte. Die Lebensmittelpreise stiegen und es gab kaum Geld im Umlauf.

Schutzlos ausgeliefert

Hinzu kamen kriegerische Auseinandersetzungen, die mit der Schlacht bei Nördlingen Ende August 1634 ihren Höhepunkt fanden. Die Kaiserlichen besiegten unter König Ferdinand die Schweden. In aufgelöster Unordnung zogen zuerst diese durch das Land, darauf folgte die siegreiche kaiserliche Armee. Württemberg war schutzlos den umherziehenden Soldaten ausgeliefert, ganze Landstriche wurden geplündert und verwüstet.

Andreas Thumm war bereits in Schwierigkeiten, weil er sich in Geldgeschäfte eingelassen haben soll, die seiner Stellung als Großingersheimer Pfarrer unwürdig waren. Die Gemeinde trat für ihn ein, und berief sich auf Thumms wackere Haltung in der Pestzeit – doch ohne Erfolg. Thumm  selbst wies in einem Gnadengesuch darauf hin, dass sein Urahn Conrad Thumm als Schultheiß in Wolfschlugen einst Herzog Ulrich Unterschlupf gewährt habe, weshalb dessen Nachkommen im evangelischen theologischen Stift in Tübingen die Möglichkeit zum Studium der Theologie eröffnet worden sei. Das Betteln half alles nichts und das Schicksal nahm seinen Lauf.

1634 wurde er als Geisel samt Familie durch die Kaiserlichen nach Besigheim verschleppt und der Pfarrer von feindlichen Soldaten ermordet. Mit seinem gewaltsamen Tod ging in Großingersheim die Thumm-Dynastie zu Ende. Ob seine Frau und die Kinder auch Opfer der Mörder wurden, ist nicht eindeutig überliefert. Im Besigheimer Totenbuch ist nur Andreas Thumm aufgeführt.