Perfektion in ihrer schönsten Form

Ludwigsburg / Von Susanne Yvette Walter 06.11.2018

Am geraden Rücken und der perfekten Körperhaltung sollt ihr sie erkennen – die Paare, die sich für die Deutschen Meisterschaft in den Standardtänzen qualifiziert haben. Im Forum am Schlosspark zeigten 43 Paare in der Vorrunde am Nachmittag und 25 Paare am Abend, wie Quickstep, Tango, langsamer Walzer und Co. in der Perfektion aussehen.

Die „Deutsche“ Standard wurde in Ludwigsburg ausgetragen. Eine derart hochkarätige Einzelmeisterschaft hatte Ludwigsburg schon lange nicht mehr gesehen. Der Anlass war das 50-jährige Bestehen des 1. Tanzclub Ludwigsburg in diesem Jahr. Die besten Standard-Paare aus ganz Deutschland waren ins Forum am Schlosspark gekommen, um das neue Meisterpaar zu küren.

Jüngstes Paar vom Veranstalter

Der Ausrichter war selbst mit einem Paar bei dieser Meisterschaft vertreten: Emanuel Braijinovic und Viktoria Kiselev aus Ludwigsburg verbuchten gleich mal einen Superlativ. Sie waren das jüngste Paar im gesamten Starterfeld mit 15 und 16 Jahren. Nach der Vorrunde bat Moderator und Turnierleiter Jörg Weindl das Ludwigsburger Paar noch einmal auf die Bühne. Bei der Haupt­runde am Abend waren die beiden nicht mehr vertreten. Die Aufregung hatte ihre Spuren hinterlassen. Ihr Ziel, zu den besten 25 Paaren zu gehören, hat das Paar nicht erreicht.

Dass die jungen Ludwigsburger beim Sieg noch nicht mitsprechen konnten, war ihnen von vorn herein klar, standen hier doch ganz andere „Kaliber“ auf der Liste: Alle Finalisten des Vorjahres waren wieder am Start, und auch wenn die Titelverteidigung für Anton Skuratov und Alina Uehlin aus München in Expertenkreisen schon als sicher galt, wollten es andere Paare den Spitzenreitern möglichst schwer machen.

Teilnehmer aus der Weltklasse

So waren zum Beispiel die Vorjahresfinalisten Anatoli Novoselov und Tasja Schulz-Novoselov gleich die ersten Anwärter auf eine Bestwertung, ebenso die dritten der Rangliste, Alexandru Ionel und Isabel Tinnis aus Bielefeld. Außerdem waren alle Augen im Saal auch auf die Stuttgarter Lokalmatadoren Dominik Stöckl und Madeline Weingärtner gerichtet, die beide ehemalige Ludwigsburger sind,  und auf ihre Konkurrenten vom TSZ Stuttgart-Feuerbach, Emil Leonte und Kristina Limonova. „Der sportliche Wert dieser Meisterschaft kann nicht hoch genug eingeordnet werden. Gehören doch die deutschen Paare seit vielen Jahren zur Elite des Welttanzsports und messen sich regelmäßig überall in der Welt unter anderem mit den Tänzern aus den Top-Nationen Italien und Russland und kehren fast immer mit ausgezeichneten Platzierungen zurück“, betonte der Moderator und Turnierleiter.

Der Rahmen war perfekt: Die BigBand der Polizei des Saarlands sorgte live für fetzige Rhythmen zur Deutschen Meisterschaft. Rings um die Tanzfläche saßen die Zuschauer. Der TCL, der mit dieser Veranstaltung den Punkt auf das I seines Jubiläumsjahrs setzte, hatte nichts dem Zufall überlassen.

Titelverteidiger siegen souverän

Es wurde kurz vor Mitternacht, bis Gaby Wulff, die Präsidentin des TCL, die Siegerehrung einläutete. Zu den neuen Top-Platzierten gehören drei Paare aus Baden-Wüttemberg. Anton Skuratov und Alena Uehlin vom TTC München verteidigten souverän ihren deutschen Meistertitel im Standardtanzen. Den beiden folgten auf Platz zwei die Pforzheimer Novoselov und Schulz-Novoselov. Bronze ging an Ionel/Tinnis vom Bielefelder Tanzclub Metropol. Ihnen folgten die beiden Stuttgarter Paare Stöckl/Weingärtner und Leonte/Limonova sowie Nikita Goncharov/Alina Siranya Muschalik vom VfL Pinneberg. Skuratov und Uehlin zeigten sich ihrer Rolle als Titelverteidiger würdig. Bei aller Perfektion ihrer Konkurrenten hoben sie sich vor allem da ab, wo der Tanzsport in Richtung Hochleistungssport geht – beim Quickstep, dem rasantesten unter den Standardtänzen.

Für Laien ist es oft schwierig, die Wertung der Jury nachzuvollziehen. Er erlebt bei vielen Paaren Reaktionsschnelligkeit und Kreativität in Reinkultur. Beim Tango etwa schmiegt sich die blitzschnelle Drehung mit dem Kopf  in weiche schmeichelnde Bewegungen – ein Blickfang der Kontraste. Die Kunst besteht allein schon darin, auf der Enge der Tanzfläche die Figuren so auszuführen, dass sich die Tanzenden nicht ins Gehege kommen. Doch auch wenn es bei diesem Turnier um viel ging, stand die Freude am Tanzsport spürbar im Zentrum – nicht der Konkurrenzgedanke. Gezeigt wurde Harmonie in ihrer schönsten Blüte, perfekt, natürlich stilisiert und so, wie es die Kampfrichter sehen wollen.

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