Literatur Paul Nizon erdichtet sich Paris

Marbach / bz 30.06.2018

„Und zu beiden Seiten baut sich Stadt auf. Es werde Stadt, und es sprießen die Türme der Banlieue aus dem Boden, es ist wie die Explosion aus einem Krater, ein Auswurf von Brocken, sie verdichten sich zu steinernen Klippen, umspült von städtischer Brandung“, so beschreibt Paul Nizon seine Wahlheimat Paris in seinem Buch „Im Bauch des Wals“. Entwürfe dazu sind laut einer Mitteilung in der gerade eröffneten Ausstellung „Die Erfindung von Paris“ im Marbacher Literaturmuseum der Moderne zu sehen.

Seit Jahrzehnten erdichtet der legendäre Schriftsteller Paul Nizon diese Metropole – als Stadt der Fußgänger oder der Nachtaktiven, der Waschsalons oder der Strip-Lokale. Auf Tausenden von Seiten hält Nizon seine Gedanken und Träume fest – verwoben mit seinem inneren Stadtplan von Paris, das er als sein Schicksal begreift.

In Marbach blickt der Schweizer Schriftsteller im Gespräch mit Jan Bürger zurück auf sein Lebenswerk, in dem sich die französische Hauptstadt auf unvergleichliche Weise spiegelt. Paul Nizon (geboren 1929) begeistert sich seit früher Jugend für Paris. Schon 1947 fährt er als Gymnasiast erstmals allein in die französische Metropole, um seine Tante in Montmartre zu besuchen. 1977 geht er dauerhaft nach Paris. In Büchern wie „Das Jahr der Liebe“ (1981) oder „Hund. Beichte am Mittag“ (1998) erfindet er Paris literarisch immer wieder neu. Besonders eindrucksvoll gelingt ihm dies mit den fünf „Caprichos“ des Prosabandes „Im Bauch des Wals“ von 1989, dessen Typoskript sich im Marbacher Siegfried-Unseld-Archiv findet: „Weil man sich nur in einer Stadt wie dieser verlieren kann. Darum. Du wirst sie kennenlernen, sturmlaufen kannst du, aber nie ankommen.“ Nizon zeigt die Stadt Paris in den1980er-Jahren wie ein Naturwunder, mit all ihren Facetten, ihrem Glanz, ihrem legendären silbrigen Licht, ihren Verführungen und Abgründen.

Info Die Veranstaltung findet am 4. Juli  um 19.30 Uhr im Humboldt-Saal des Deutschen Literaturarchivs Marbach statt. Der Eintritt kostet 9, ermäßigt 7, Euro. Die Ausstellung „Die Erfindung von Paris“ im Literaturmuseum der Moderne ist bis zum Beginn der Veranstaltung geöffnet. Ab 18 Uhr ist der Eintritt in die Ausstellung frei.

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