Schwerpunkt Städtepartnerschaft Partnerschaft ist ins Stocken geraten

Im Oktober 2015 empfing Landrat Dr. Rainer Haas (Mitte) zusammen mit dem Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible (rechts) Bürgermeister Kasim Simsek aus der türkischen Partnerstadt Erzin.
Im Oktober 2015 empfing Landrat Dr. Rainer Haas (Mitte) zusammen mit dem Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible (rechts) Bürgermeister Kasim Simsek aus der türkischen Partnerstadt Erzin. © Foto: Landratsamt Ludwigsburg
Freiberg / Günther Jungnickl 09.06.2018

Sie war die einzige deutsch-türkische Städtepartnerschaft des Landkreises Ludwigsburg. Jetzt droht sie an den anhaltenden Kriegsereignissen im nahen Syrien und politischen Spannungen zu scheitern.

Angefangen hatte alles 1991 mit einem Schüleraustausch zwischen der Freiberger Oscar-Paret-Schule (OPS) und der Schule Bahri-Celen-Anadolu-Lisesi in Erzin, einer Stadt mit mehr als 30 000 Einwohnern in der Provinz Hatay nahe der syrischen Grenze. Initiator war ein ehemaliger Bürger der Kreisstadt, den es mit seiner Familie in das 3600 Kilometer von der Heimat entfernte Freiberg verschlagen hatte und dessen Kinder die OPS besuchten. Garanten für das Funktionieren dieses Schüleraustauschs waren über lange Jahre hinweg der frühere Realschulrektor Alfred Pesch und Hauptschullehrer Jürgen Retter.

Fünf Jahre später wurde in Freiberg daraus eine echte Städtepartnerschaft besiegelt und ein Jahr später dann auch in Erzin. Denn auch die Bürgermeister in Erzin, Kazim Ertac und später Mehmet Güven, waren sehr an einem kulturellen Austausch interessiert, der dazu dienen sollte, Vorurteile abzubauen. Anlässlich eines Partnerschaftstreffens in Freiberg im Juni 2012 lobte denn auch Landrat Dr. Rainer Haas diese einzige deutsch-türkische Städtepartnerschaft seines Landkreises, weil sie „von beiden Seiten aktiv gelebt und gefördert wird“. Denn noch immer sei die Verbindung zwischen einer deutschen und einer türkischen Stadt „etwas Besonderes“. Zu diesem Zeitpunkt gab es lediglich rund 100 deutsch-türkische Städtepartnerschaften – und im Landkreis Ludwigsburg lediglich eine.

Doch die droht inzwischen aus politischen Gründen und am Kriegsgeschehen in Syrien zu scheitern. Längst schon funktioniert die 1998 gegründete Umweltpartnerschaft mit Jugendcamps (Initiator Konrad Fink, BUND) zwischen Erzin und Freiberg nicht mehr, nachdem Kasim Simsek (AKP) das Bürgermeisteramt antrat. Und seit Jahren auch nicht mehr der Schüleraustausch, weil OPS-Eltern Angst um ihre Kinder in unmittelbarer Nähe zu einem Kriegsgebiet hatten. OPS-Rektor Bernhard Joos erinnert sich, dass 2009 der letzte wirklich echte Austausch stattgefunden hatte und 2012 als Ersatz ein Besuch von Istanbul herhalten musste, weil es in Erzin wegen der vielen Syrien-Flüchtlinge „nicht mehr möglich war“.

Auch auf offizielle Begegnungen wird inzwischen verzichtet. Hauptamtsleiter Bernhard Joos, der mindestens viermal in der türkischen Stadt gewesen ist und zu dessen Obliegenheiten auch die Städtepartnerschaften mit Soisy (Frankreich), Ujhartyan (Ungarn) und Roßwein (Sachsen) gehören erinnert sich an ein letztes Treffen 2013 in Erzin und 2015 in Freiberg. „Seitdem ist die Partnerschaft ins Stocken geraten“, sagt er. Mit dem amtierenden Bürgermeister Karim Simsek habe sich Freibergs Bürgermeister Dirk Schaible anlässlich eines privaten Besuchs in Freiberg vor einem Jahr noch einmal „nichtoffiziell“ getroffen. Seitdem herrsche Funkstille.

Immerhin gab es im Juli 2016 noch einmal einen kleinen Lichtblick, als die baden-württembergische Landesregierung vor allem deutsch-türkische Partnerschaftskommunen zu einer Spendenaktion aufrief. Denn in Erzin lebten inzwischen rund 2000 syrische Flüchtlingskinder, von denen aber nur 430 unterrichtet werden konnten, weil es an Schulräumen fehlte. Der ehemalige Landtagsabgeordnete Claus Schmiedel machte sich dafür stark und die Landesregierung stellte 500 000 Euro für solche Projekte zur Verfügung. Die Stadt Freiberg spendete 2000 Euro dafür und durch Privatspenden kamen so insgesamt 12 000 Euro zusammen; die Landesregierung verdoppelte dann diesen Betrag.