Es darf gefeiert werden, denn der „Dancing Park Palazzo“ in Freiberg hat das Schwabenalter erreicht. Was am 20. Januar 1977 begann, entwickelte sich schnell zu einer echten Freiberger Institution.

Wenn Ekkehard Menninger (59) heute von den Anfängen erzählt, kommt er schnell ins Schwärmen: Wie er selbst zusammen mit Verwandten und Freunden beim Bau Hand anlegte, nachdem sein Vater mit der Stadt Freiberg einen Grundstückstausch hinbekommen hatte. „Das war Abenteuer pur“, lacht er „und ich habe auch manches Lehrgeld bezahlen müssen“. Oder wie er nur wenige Jahre später Zug um Zug seinen „Dancing Club“ um das Restaurant, Büroräume, eine Wohnung, die Spielhalle und sogar um eine Bowlingbahn erweiterte.

Das die ganze Nacht über geöffnete Restaurant („Damals eine Sensation“) gibt es heute noch, während sich die Bowlingbahn als Fehlinvestition entpuppte, weshalb er sie bereits drei Jahre später entfernen ließ. Heute ist an dieser Stelle das „Partystadl Cherry“.

Zehntausende Besucher haben in all den Jahren im „Dancing Club Freiberg“ (der in den 90er Jahren in „Dancing Park Palazzo“ umgetauft wurde) abgetanzt, viele Freundschaften sind in seinen Räumen entstanden und manche Ehe hatte dort ihren Ursprung.

Ganz abgesehen von den vielen hundert Mitarbeiterinnen, die sich im Laufe der Jahrzehnte ein Zubrot beim Menninger verdienten. Zwei sind ihm fast die ganze Zeit erhalten geblieben: Seine Ehefrau Ulrike und seit 26 Jahren auch seine heutige Eventmanagerin, die alle nur Petra nennen. Aber natürlich auch seine beiden Töchter Patricia und Sabrina, die eines Tages den Betrieb übernehmen sollen. Patricia ist bereits jetzt in der Geschäftsführung tätig. „Sie macht mir das Leben deutlich einfacher und könnte mich schon jetzt ersetzen“, lobt er seine Älteste.

Am gestrigen Mittwochabend hat der Chef rund 300 geladene Gäste empfangen, um mit ihnen das Jubiläum zu feiern: Verwandte, Bekannte, Geschäftspartner sowie Diskothekenbetreiber aus dem In- und Ausland.

Schließlich ist Ekkehard Menninger auch Vorstandsmitglied des „Bundesverbands deutscher Diskotheken- und Tanzlokalbetreiber“ (BDT) und oft unterwegs, um Trends zu erkennen, neue musikalische Ideen zu entwickeln, mit Unterhaltungskünstlern zu verhandeln, angesagte DJ‘s zu verpflichten oder technische Neuerungen zu prüfen. „Eine Diskothek zu betreiben, war früher schon nicht einfach und ist heute noch viel, viel schwerer und erfordert entsprechendes Knowhow“, gesteht er.

Dabei hatte er aus Frust wegen des baden-württembergischen Rauchverbots in Diskotheken im Jahr 2008 sogar den ganzen Betrieb an einen vermögenden Interessenten verkauft. Denn aufgrund dieses Verbots waren die Besucherzahlen drastisch abgesackt. Zwei Jahre später konnte er dem trotz erheblicher Investitionen erfolgten Niedergang nicht  länger zuschauen, kaufte den Betrieb 2010 bereits  zurück und führte ihn anschließend wieder ganz nach vorn. „Ich glaube fest an die Zukunft von Clubs und Diskotheken“, sagt Menninger heute, „denn kein Facebook, kein Whatsapp, kein Friend‘s Scout und kein Instagram kann das bieten, was wir haben“. Nämlich Party, soziale Kontakte und aktive Abwechslung vom Alltagsleben.

Deshalb kann er sich auch darüber aufregen, wenn es wegen gelegentlicher Ruhestörungen durch ausgeflippte Jugendliche mal wieder die Auflagen erhöht werden oder sein Betrieb gar öffentlich zur Diskussion gestellt wird. Dann erinnert er sich gern an jene Zeit, als die Stadtverwaltung die Ansiedlung des „Dancing Clubs“ im Geisinger Gewerbegebiet noch ausdrücklich begrüßte und anschließend der Bekanntheitsgrad Freibergs auch sprunghaft anstieg. Denn er liebt seinen Job und will ihn auch mindestens in den nächsten zehn Jahren noch engagiert ausüben.

Info Mit einer Reihe von Sonderaktionen und Veranstaltungen feiert der Dancing Park Palazzo seinen 40. Geburtstag. Mehr dazu gibt es auf der Internetseite.

www.dancing-park.de

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Grüß Gott zum Thema Palazzo.

Die großen Diskotheken


Die große Zeit der klassischen Diskotheen scheint vorbei. Auch im Landkreis gab es lange Zeit viel Konkurrenz für das Palazzo. Die hat sich inzwischen deutlich reduziert. Kultstatus erreichen ohnehin nur wenige. Eine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit: im Bietigheimer Düe-Gebäude das „Tiffany“, in der Talstraße die „Scheune“, vormals Club-Diskothek „Sambesi“, beim heutigen Rewe das „Maxx“, im Holderbüschle Großsachsenheim das bekannte und legendäre „Domino“, in Markgröningen, das „Vegas“, in Neckarwestheim das „Spotlight“ und in Hohenhaslach den „Club Ascot“.