Prozess Osmanen: Wirrwarr an Vorwürfen

Ludwigsburg/Bietigheim-Bissingen / Bernd Winckler 19.07.2018

Die Satzung der Osmanen Germania BC gibt den Kampf ausschließlich gegen PKK und Bahoz-Kurden-Feinde vor. Jetzt ist der Verdacht aufgetaucht, dass schon im Ludwigsburger Fall versehentlich ein „Osmane“ Opfer wurde. Das soll in der Nacht zum 20. April vergangenen Jahres vor dem Klinikum Ludwigsburg passiert sein.

Damals hatten sich die beiden verfeindeten Rockergruppen Osmanen Germania und Stuttgarter Kurden (ehemals Red-Legions) einen Rachefeldzug geleistet, bei dem zwei 25- und 27-jährige Männer schwer verletzt wurden. Einer der beiden soll ein Osmanen-Mitglied gewesen sein, welches niedergeschlagen und mit einem Messer gestochen wurde, und zwar von einem seiner eigenen Vereinsbrüder, wie jetzt erst bekannt wird.

Vermeintlicher Kurde

Auch bei Kampfhandlungen der Osmanen-Rocker gegen die Kurden im Sommer letzten Jahres soll es ein Osmanen-Mitglied gewesen sein, welches in Asperg als vermeintlicher Kurde von den eigenen Brüdern niedergeknüppelt wurde. So soll auch jener angebliche Kurde, der am 21. November 2016 in der Karlsstraße in Ludwigsburg verprügelt wurde, ein ordentliches Mitglied der Osmanen gewesen sein. Der angeklagte Osmanen-Vizepräsident Levent Uzundal soll hier der Drahtzieher gewesen sein.

Rauschgiftgeschäfte

Brutale Aktionen gegen Bahoz-Feinde sind bislang in diesem Verfahren noch nicht zur Sprache gekommen.

Das Gericht, welches im gut gesicherten Stammheimer Verhandlungssaal tagt, hat sich bis jetzt auf die sogenannten „Abstrafungs-Aktionen“ gegen eigene Mitglieder der Osmanen konzentriert.  Allerdings werden den acht Angeklagten, darunter der selbst ernannte Weltpräsident Mehmet Bagci und seine beiden Stellvertreter Sahin Selcuk und Levent Uzundal, nicht nur Mord- und Totschlag-Versuche oder Körperverletzungen und Waffenhandel vorgeworfen. In einem Fall geht es auch um Rauschgiftgeschäfte, zusammen mit bereits abgeurteilten Ludwigsburger Drogendealern.

Die acht Männer auf der Anklagebank schweigen auch an diesem 21. Prozesstag. Die 3. Strafkammer mit ihren insgesamt vier Berufsrichtern und vier Schöffen hat noch viele Verhandlungstage vor sich, um das Wirrwarr zu entwirren.

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