Strafkammer Opfer über ein Internet-Portal in die Falle gelockt

Markgröningen / Bernd Winckler 14.02.2018

Die Masche, mit der das Trio im Mai letzten Jahres gearbeitet haben soll, war relativ einfach. Man stellt auf ein Internet-Portal ein gut erhaltenes Gebrauchtfahrzeug zum Verkauf, lockt den Interessenten in eine einsame Gegend – im vorliegenden Fall auf einen Waldweg bei Markgröningen – und nimmt ihm dort dann 7200 Euro  ab. Dazu nutzten die drei Männer, die jetzt wegen  gemeinschaftlichen schweren Raubes und gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor der fünften Großen Strafkammer angeklagt sind, eine Schreckschusspistole und einen Elektroschocker.

Der Älteste, ein 36-jähriger  Italiener, und die beiden anderen Beschuldigten – ein 21- und 32-jähriges Brüderpaar – sollen laut Anklage Mitte Mai letzten Jahres beschlossen haben, mit der Auto-Verkaufsmasche zu Geld zu kommen. Einer der beiden Brüder habe auf dem Internet-Portal einen neuwertigen Nissan Pkw angeboten. Mehrere Interessenten meldeten sich auf dem eigens für diesen Deal eingerichteten Handy. Dabei soll der Älteste die Hauptrolle gespielt haben, er ist auch der Einzige, der in Untersuchungshaft sitzt.

Mit Pistole bedroht

Zur Abwicklung des geplanten Raubüberfalls habe man sich zuvor eine Schreckschusspistole und einen Elektroschocker beschafft. Am 12. Mai  hatten sich die Beschuldigten laut Anklage für eines der Opfer entschieden und den Mann aufgefordert, sie am Stuttgarter Hauptbahnhof zu treffen, um von dort aus zu dem scheinbar angebotenen Fahrzeug zu fahren.

An einem einsam gelegenen Parkplatz bei Markgröningen sei dem Opfer dann der Elektroschocker an den Hals gesetzt worden, wobei der Mann Verletzungen erlitt. Zudem habe man ihn mit der Pistole bedroht und zur Hergabe des mitgeführten Bargeldes aufgefordert. Die auf diese Weise erpressten 7200 Euro soll sich das Trio geteilt habe. Danach sei der Mann mit dem Klebeband geknebelt zurückgelassen worden.

 In dem am Dienstag begonnenen Prozess gegen die drei Männer hat einer bereits ein umfassendes Geständnis im Sinne der Anklage abgelegt und dabei den 36-Jährigen als Haupttäter und Ideengeber genannt. Dieser habe nach der Trennung von seiner Ehefrau hohe Schulden und auch das Brüderpaar drückten Verbindlichkeiten bis zu 25 000 Euro. Der 21-Jährige sagte, er habe nur das gemacht, was der Italiener angeordnet habe.

Das Opfer ahnte es bereits

Der Angeklagte erzählt weiter, dass das Opfer auf der Fahrt schon geahnt habe, dass nicht alles mit rechten Dingen zugehe und er habe angeboten, das Geld auszuhändigen. Er hätte gesagt: „Bitte tut mir nichts“. Dennoch habe aber der 36-Jährige auf die Tatausübung bestanden.

Der 21-jährige Angeklagte berichtet weiter, er hätte aus Mitleid dem Opfer bereits auf der Fahrt gesagt, er solle nach der Tat die Polizei anrufen. Er selbst hätte bei der Sache mitgemacht, wisse aber nicht genau warum. Hinterher sei er nach Hause zu seiner Mutter gefahren – und habe sich von ihr gleich bei der Ankunft eine Ohrfeige eingefangen. Die Frau habe wohl geahnt, was passiert war.

Am 21. Mai klickten dann die Handschellen. Die Haftbefehle gegen die Brüder sind inzwischen außer Vollzug, nur der 36-Jährige muss in Untersuchungshaft bleiben. Der Prozess geht am 23. Februar weiter. Am 7. März will die Große Strafkammer das Urteil verkünden.