Ludwigsburg / Gabriele Szczegulski  Uhr

Lena Wacker wurde am 9. September 2015 im Alter von 21 Jahren in Stuttgart brutal von ihrem Mitbewohner ermordet. Ein schwerer Schlag für die Eltern Cornelia und Norbert Wacker. Um nicht in der Trauer stecken zu bleiben, beschlossen die beiden, den Verein „Ein Stern für Lena“ zu gründen, mit dem Ziel, Präventionsangebote zu machen, um Gewalterfahrungen zu verringern und im besten Fall zu verhindern. Für Projekte, die dazu beitragen, sammeln sie Geld zur Unterstützung.

Theater zu Jugendthemen

Die Theaterpädagogen Sandra Hehrlein und Jörg Pollinger vom Ludwigsburger Theaterensemble Q-rage haben eine zehnjährige, erfolgreiche Erfahrung damit, Theaterstücke zu jugendlichen Problemthemen zu entwickeln, und diese in Schulen aufzuführen und mit Jugendlichen zu diskutieren. Die Theatermacher haben damit einen Nerv getroffen. Sie greifen Themen wie Gefahren im Netz, Sexualpädagogik, Rechtsextremismus oder Gefühle auf. Das Ensemble schafft es, die Jugendlichen mit den Stücken zu berühren, sie zum Nachdenken anzuregen. Das kommt an. „Unsere Stücke sind mittlerweile an Schulen sehr nachgefragt, für uns ist das eine Bestätigung, dass unsere Präventionsarbeit gut ist, dass es sinnvoll ist, solche Themen mit dem Medium Theater anzupacken“, so Hehrlein.

Das ist auch die Meinung des Ehepaar Wackers, das zufällig das Stück „Achtung“ über die Radikalisierung von Jugendlichen gesehen hatte. „Die Wackers kamen auf uns zu und fragten uns, ob wir nicht ein Stück über Gewalt zwischen Jugendlichen auf die Bühne stellen wollen“, so Sandra Hehrlein.

Mit 3000 Euro sponsert der Verein „Ein Stern für Lena“ nun die Entwicklung von „Am Limit!“. Außerdem werden die ersten Aufführungen, beispielsweise an der Kraicherstschule in Sachsenheim oder der Kirbachschule in Hohenhaslach vom Verein unterstützt, so dass die Schulen nur 300 Euro Gage zahlen müssen. Im Anschluss an die Theateraufführung gibt es für die Schüler einen Vertiefungskurs zum Thema Gewalt durch den Ludwigsburger Konflikttrainer Stefan Bettels. Darin erhalten sie ein Training zu Themen wie Empathie und Achtsamkeit, Impulssteuerung, Umgang mit Aggressionen, Abgrenzung, Selbstschutz und Zivilcourage. Seit mehreren Wochen arbeiten Hehrlein und Pollinger nun als Regisseure und Produzenten daran, das Schultheaterprojekt zu entwickeln, das am 27. März im Kulturzentrum Dieselstraße in Esslingen uraufgeführt wird und dann durch die Schulen touren wird. Einige Termine, auch im Kreis Ludwigsburg, stehen schon fest. Die Proben mit den Schauspielern haben bereits begonnen.

Im Theaterstück wird es um alltägliche Grenzverletzungen gehen, erklärt Sandra Hehrlein, wie sie unter Jugendlichen immer wieder in der Schule oder in der Freizeit vorkommen: „Das sind verbale, körperliche und seelische Gewalterfahrungen, man glaubt gar nicht, wie viele Jugendliche das durchmachen müssen.“ Es gehe zwar um die Opfer, aber auch, so Hehrlein, „um die Beweggründe der Täter und die graue Masse der Beobachter, um Spaß und wie schnell daraus Ernst wird und um Empathie. Wir möchten die Augen dafür öffnen, dass wir alle unseren Beitrag dazu leisten können, wie das Klima in unserem Umfeld sich entwickelt“. Jeder habe die Wahl, wie er sich verhält und was er tut.

Emotionale Ansprache

Das Theater spreche die Jugendlichen emotional an, weil die Schauspieler sich in die Alltagssituationen hinein versetzen, auf der Bühne zu den Jugendlichen werden, die auch als Publikum vor ihnen sitzen. Dazu hat Q-Rage die Schauspieler Laura Pletzer und Tobias Wagenblaß engagiert, die selbst nicht sehr viel älter als die Schüler sind.

Durch Unterbrechungen während des Theaterstückes und gezielte Fragen der Schauspieler an die Schüler besteht die Chance, zunächst über die Handlung auf der Bühne zu sprechen. Die Jugendlichen werden dazu animiert, Position zu beziehen. „Ist der Typ nicht cool, der das Mädchen angegriffen hat?“ oder „Ist die nicht eine Petze, die den Typ beim Rektor anschwärzt?“ – seien, so Hehrlein, solche provokanten Fragen, denn „Jugendliche lassen sich oft zu unbedachten Äußerungen und Taten provozieren“, sagt die Theaterpädagogin. Was sie vermeiden wolle, sei der erhobene Zeigefinger, „dann machen die Jugendlichen dicht, aber wir wollen ja gerade die Distanz verringern.“

Info Schulen und Jugendeinrichtungen, die Interesse an der Durchführung und Förderung des Theaterprojektes vor Ort haben, melden sich bitte beim Verein „Ein Stern für Lena*Gegen Gewalt! e.V.“ Email: ein-stern-fuer-lena@web.de.