Ludwigsburg ÖPNV: Ludwigsburg ist allein auf weiter Flur

Uwe Roth 09.07.2018

Gemeinderäte, Kreistagsmitglieder, Bürgermeister und Oberbürgermeister aus sieben Städten und Gemeinden des Landkreises sind am Freitag zum ÖPNV-Gipfel ins Landratsamt gekommen. Der große Sitzungssaal war mit über 100 Teilnehmern gut gefüllt. Es bestand anfänglich die Hoffnung, dass es im Verlauf des Abends den Kommunalpolitikern gelingen könnte, etwas Bewegung ist die festgefahrene Diskussion um Nieder- oder Hochflurbahn zu bringen. Doch dem Landrat müsste spätestens am Ende seiner Informationsveranstaltung klar geworden sein, dass er in einer Zwickmühle steckt, aus der er schwer entkommt. Hält Rainer Haas an der SSB-Stadtbahn und damit an der Hochflurvariante fest (die BZ berichtete), könnte Ludwigsburg das Projekt komplett platzen lassen.

Oberbürgermeister Werner Spec und sein Baubürgermeister Michael Ilk hielten in ihren Redebeiträgen beharrlich daran fest, ausschließlich eine Niederflurbahn ins Stadtgebiet zu lassen und auf keinen Fall eine SSB-Stadtbahn. Sie um Ludwigsburg herumzuführen, um so den Konflikt mit Ludwigsburg zu beenden, geht nach Aussagen des Landrats nicht. Dann müsste es erneut eine aufwendige Kostenberechnung geben. Dafür aber fehle die Zeit, um sich Förderbeträge in Millionenhöhe zu sichern. Inzwischen bedauert es Haas nach seinem Bekunden, keine Planalternative ohne Ludwigsburg im Förderantrag stehen zu haben.

Gibt Haas dem Druck der Ludwigsburger nach, um nicht mit leeren Händen dazustehen, bringt er die übrigen Kommunen gegen sich auf. Denn die sehen für sich in der Niederflurbahn keine Vorteile.

Dagegen setzen sie die Hoffnung auf die SSB. Der kommunale Verkehrsbetrieb der Landeshauptstadt könnte ihnen eine bessere Anbindung nach Stuttgart bringen. Remseck, Möglingen, Markgröningen, Schwieberdingen, Korntal-Münchingen und Ditzingen setzen auf einen Ringschluss, wie ihn die SSB vorgeschlagen hat. Ein solcher würde von Stuttgart kommend die Stadt Remseck quer durch den Landkreis mit der Stadt Ditzingen verbinden, die von Stuttgarter Seite aus in jedem Fall an das Stadtbahnnetz angeschlossen werden soll.

Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner zeigte sich geradezu begeistert: „Der Ringschluss ist eine tolle Sache. An der SSB kommt man einfach nicht vorbei.“ Der Bürgermeister von Korntal-Münchingen Joachim Wolf äußerte sich ähnlich. Ein Stadtbahnanschluss könne helfen, die Stadt vom Verkehr zu entlasten. Ein Ringschluss sei von regionaler Bedeutung. Die Ludwigsburger mahnte er, über den Tellerrand zu schauen.

Möglingens Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer sprach von der Niederflurbahn als „eine Insellösung“. Ihre Gemeinde soll von der Reaktivierung der Bahnstrecke Markgröningen-Ludwigsburg profitieren. Doch Schwaderer bezweifelte, dass in drei bis vier Jahren ein Brennstoffzellenzug darauf fahren werde. Den von OB Spec ausgegeben Zeitplan nannte sie unrealistisch.

Auch Schwieberdingen wünscht sich die Stadtbahn. Bürgermeister Nico Lauxmann hatte als Unterstützung den Robert-Bosch-Manager Thomas Bauer an der Seite. Der betonte, dass eine solche Haltestelle am Werkstor ein zunehmend wichtiger Standortfaktor sei, um Fachkräfte zu gewinnen. Von der Niederflurbahn als zusätzliches Transportmittel halte er nichts. Die Mitarbeiter wollten nicht öfter als nötig umsteigen müssen. Das Stadtbahnnetz müsse möglichst breit gefächert werden, sagte er.

Die Ludwigsburger Vertreter saßen mit ihrer Position ziemlich allein da. Wie geschlossen ihre Reihen jedoch sind, zeigte eine Wortmeldung des Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, Michael Vierling. Er bekräftigte, nur die Niederflurbahn sei in Ludwigsburg machbar. Wegen ihrer Vorteile müsse sie keine Insellösung bleiben.

Die Grünen haben ansonsten wenige Gemeinsamkeiten mit dem Oberbürgermeister in der kommunalen Verkehrspolitik. Spec sagte, er sehe keinen Grund, von der Doppelstrategie abzuweichen, in der man sich schließlich mit dem Landkreis auf die Niederflurvariante geeinigt habe. Landrat Haas hofft nun nach seinen Worten, dass sich über die Sommerpause die Gemüter beruhigten und im Herbst eine einvernehmliche Lösung zustande komme. Denn dann müssten umgehend die nächsten Planungsschritte erfolgen, wolle man die Fördermillionen nicht gefährden.

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