Gipfel ÖPNV: Haas und Spec zanken weiter

Ludwigsburg / Uwe Roth 07.07.2018

Zwischen dem Landkreis und der Stadt Ludwigsburg verschärft sich der Konflikt um den Ausbau des ÖPNV. In einem Pressegespräch sagte Landrat Dr. Rainer Haas am Freitag, dass eine Niederflurbahn nach den neuesten Entwicklungen kaum noch wirtschaftlich zu betreiben sei. Die sinnvollste Lösung ist nach seinem Bekunden, das Angebot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) anzunehmen, ihre Stadtbahnlinien in den Landkreis fortzusetzen. Eine solche Hochflurbahn lehnen die Stadtverwaltung und eine Mehrheit des Gemeinderats jedoch ab.

Gleichzeitig beschleunigt OB Werner Spec auf seine Weise den Konfrontationskurs: Der Rathauschef lässt seit Freitag in der Stadt eine 16-seitige Broschüre verteilen, in der die Vorteile schienenloser Busse sowie eine Wiederbelebung der Bahnstrecke nach Markgröningen aus der Sicht der Verwaltung dargestellt werden. Den Landrat erbost, dass auf der Rückseite der Publikation das Landkreiswappen zu sehen ist. „Wir haben den Text nicht autorisiert“, stellte Haas fest.

„Keine Rede von Broschüre“

 Erst einen Tag zuvor habe er mit Spec telefoniert. Von der Broschüre sei keine Rede gewesen. Dass diese zeitgleich zum ÖPNV-Gipfel des Landkreises erschienen ist, sieht er als zusätzliche Provokation. Haas hatte Gemeinderäte der beteiligten Kommunen eingeladen sowie die Bürgermeister, um sie am Freitag über den Stand der Landkreis-Pläne zu informieren.

Die SSB AG ist eine hundertprozentige Tochter der Landeshauptstadt. OB und Aufsichtsratschef Fritz Kuhn habe ihm mehrfach versichert, dass die SSB „bereit und hochinteressiert“ sei, weiter in den Landkreis zu expandieren. Mit der Ankündigung der SSB, einen weiteren Betriebshof bauen zu wollen, der zum Teil auf der Gemarkung Ditzingen und auf Kreisgebiet liegt, hat sich das Verkehrsunternehmen wieder selbst in Spiel gebracht: Denn nun zeigen nicht nur Ditzingen, sondern auch Korntal-Münchingen sowie Schwieberdingen großes Interesse daran, ans Stadtbahnnetz angebunden zu werden. 

Aus Sicht des Landrats steht Ludwigsburg mit seinem Niederflur-Favoriten allein da. Der Vorteil der SSB sei, dass man ohne Ausschreibung mit den Planungen sofort loslegen könne. Die Fördermittel, die Haas aus Berlin und Stuttgart erwartet, decken nach seinen Angaben 80 Prozent der Baukosten ab.

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