Kreis Ludwigsburg / Bettina Nowakowski  Uhr

Laut einer aktuellen Umfrage des Vergleichsportals Verivox durch das Marktforschungsinstitut Innofact wünschen sich 53 Prozent der Bundesbürger einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). 44,5 Prozent fordern zudem einen weiteren Ausbau.

Auch wenn Städte und Kommunen im Sinne der Luftreinhaltung und des Klimaschutzes einen kostenlosen Nahverkehr begrüßen würden, stellt sich für alle die Frage der Finanzierung. Schon heute sind Busse und Bahnen im ÖPNV überfüllt, ein Ausbau der Kapazitäten an Bussen, Bahnen und Personal mithilfe einer öffentlichen Finanzierung wäre dringend nötig, erst recht, wenn es einen kostenlosen ÖPNV deutschlandweit geben sollte.

„Grundsätzlich ist das eine reizvolle Idee“, so Michael Ilk, Bürgermeister von Ludwigsburg. „Allerdings wird das in der Praxis nicht funktionieren, denn das System stößt ja jetzt schon an seine Grenzen und die Kommunen müssten finanziell extrem zuschießen.“ Stattdessen wird in den Städten und Kommunen verstärkt über kostengünstigere Angebote nachgedacht, um mehr Anreize für einen Umstieg auf den ÖPNV zu bieten.

In Bietigheim-Bissingen habe man laut Pressesprecherin Anette Hochmuth in den Verkehrsentwicklungsplan bei der ÖPNV-Konzeption bis 2030 auch unter Mithilfe der Bürgerschaft Ideen zur Stärkung und Steigerung der Attraktivität des Nahverkehrs mit aufgenommen. Dazu gehört ein ermäßigter Stadttarif in Form eines Ein-Euro-Tickets oder das 365-Euro-Ticket. „Diese Anregungen werden gerade geprüft und für die Vorlage im Gemeinderat im Herbst aufbereitet“, sagt Anette Hochmuth. Die vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) im April durchgeführte Tarifzonenreform habe mit günstigeren und einfacheren Tarifen bereits jetzt schon Erfolg gezeigt. Der VVS zählte seit der Einführung rund 50 000 Fahrten pro Tag mehr als im April 2018.

Auch in Ludwigsburg hat man unter anderem mit der Einführung des Stadt-Tickets ein neues Tarifangebot eingeführt, das das Umsteigen auf den ÖPNV erleichtern soll. Das Tagesticket, das für beliebig viele Fahrten in der Residenzstadt gilt, kostet nur noch drei Euro statt vorher sieben Euro. Dieses Angebot wurde nur durch einen Zuschuss der Stadt in Höhe von rund 650 000 Euro möglich. „Wir verzeichnen 15 Prozent mehr Fahrgäste als vor einem Jahr“, sagt Michael Ilk. Auch über die Einführung eines 365-Euro-Tickets wird in Ludwigsburg nachgedacht, ebenso über die Ausweitung des Fahrplans. „Ziel ist es, den ÖPNV dauerhaft attraktiv zu machen.“

Situation ist schwieriger

Für die kleineren Kommunen im Landkreis ist die Situation aufgrund der nicht geklärten Finanzierung schwieriger. „Grundsätzlich wäre ein kostengünstigeres ÖPNV-Angebot erstrebenswert“, sagt Pressesprecherin Nicole Raichle von der Stadt Sachsenheim. „Ein kostenloser ÖPNV muss aber finanziert werden. Es ist fraglich, woher dazu das Geld kommen könnte.“ Nachgedacht wird in Sachsenheim über Verbesserungen. „Themen sind zum Beispiel die wünschenswerte Verlängerung der S-Bahn, eine bessere Anbindung des Kirbachtals sowie eine bessere Vertaktung zwischen Bus und Bahn.“

In Bönnigheim mache man sich „mittelfristig“ Gedanken, so Hauptamtsleiter Klaus Walz. So überlege man mit der Gemeinde Kirchheim, ob man einen eigenen Busverkehr einrichten könne, um die Ortsteile besser miteinander zu verbinden.