Fabian Köstlin liegt der Erhalt der heimischen Streuobstwiesen am Herzen. Der Obstbaumpfleger und Fachwart beim Obst- und Gartenbauverein Kleinsachsenheim hat sich deshalb mit der Firma Kumpf zusammengetan, um einen Bioland-Streuobstwiesen-Apfelsaft voranzubringen. Der Fruchtsaftproduzent aus Unterriexingen hat inzwischen bereits sechs solcher Projekte laufen, eines davon rund um die Obstsammelstelle in Spielberg. Dafür wurden jetzt die Bäume zertifiziert.

Gemeinsam mit den Brüdern Albrecht und Bernhard Kumpf sowie Tobias Fabel, Beauftragter des Kontrollvereins ökologischer Landbau in Karlsruhe, steht Köstlin an einem sonnigen Nachmittag auf einer Wiese oberhalb von Kleinsachsenheim. Hier wird heute geprüft – und zwar weniger wissenschaftlich, als sich das der eine oder andere vielleicht vorstellt. „Wir schauen uns die Bäume und die Umgebung an“, erklärt der Ochsenbacher Köstlin. Viel geht es dabei um Erfahrung. „Leute, die eine Neigung zum Pflanzenschutz haben, haben eine gewisse Schule durchlaufen, eine alte Schule, dafür gibt es offensichtliche Merkmale, dann bin ich sensibel“, fügt er an.

Um die Bäume auf besagter Wiese in Kleinsachsenheim wächst beispielsweise eine bunte Blumenwiese. „Es gibt hier auch sehr viele Kräuter. Daher ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass hier nicht gedüngt wird“, erklärt der Fachwart. Entdecken die Experten keine Anzeichen dafür, dass im Bioland-Anbau verbotene Substanzen eingesetzt wurden, steht aus dieser Sicht der Zertifizierung nichts im Weg.

„Wir geben den Besitzern hier auch ein einen Vertrauensvorschuss, weil wir aus Erfahrung wissen, dass Streuobstwiesen nicht gespritzt werden“, erklärt Kontrolleur Fabel, „weil die Leute ohnehin kein Geld damit verdienen.“ Auch eine Umstellzeit, wie bei Ackerflächen, ist bei den Streuobstwiesen nicht nötig. Wichtig ist für die Zertifizierung aber auch ein gewisser Abstand zu landwirtschaftlichen Flächen. „Vor allem, wenn ein Weinberg in der Nähe ist und der Wind in Richtung der Streuobstwiese weht, wird es problematisch“, ergänzt Geschäftsführer Albrecht Kumpf.

Sechs Projekte

Beim „Projekt Spielberg“ haben Besitzer von Streuobstwiesen rund 3000 Bäume beim Fruchtsafthersteller zur Zertifizierung angemeldet. In den sechs Projekten sind es insgesamt 30 000 Bäume. Eines davon ist rund um Markgröningen mit 2500 Bäumen, weitere in Rudesberg, Sulzfeld, Schorndorf und Heilbronn.

Einen Bio-Apfelsaft aus Streuobstwiesen vertreibt das Unternehmen bereits. „Mit dieser Ernte stellen wir komplett auf Bioland um“, sagt Albrecht Kumpf Den Saft gibt es dann direkt von Kumpf in der Flasche. Die Firma vertreibt das Produkt aber auch als Tankware oder Konzentrat. Besitzer von Streuobstwiesen können sich weiterhin melden. „Aber nicht mehr für die diesjährige Ernte.“

Die Bioland-Zertifizierung garantiert den Besitzern einen Mindestpreis von 17 Euro pro Doppelzentner. Die Kosten für die Zertifizierung übernimmt Kumpf. So werde die Pflege des Kulturguts Streuobstwiese zu einer lohnenden Angelegenheit, betonen die Beteiligten. Wie viel Saft am Ende herauskommt, hängt natürlich von der Ernte ab. Ganz grob geht Albrecht Kumpf von 150 Kilo Obst pro Baum aus. Das entspräche 4500 Tonnen. „Daraus könnten wir rund 3,3 Millionen Liter Saft gewinnen“, rechnet der Geschäftsführer vor.

Was steckt hinter dem Bioland-Siegel?


Der Bioland-Verband ist mehr als 40 Jahre alt. Die Richtlinien sind deutlich strenger als beispielsweise beim europäischen Bio-Siegel. Die Anzahl der Betriebe hat sich nach Angaben des Verbands in den vergangenen zehn Jahren von knapp 5000 auf rund 7750 Landwirte, Gärtner, Imker und Winzer erhöht. Die Ackerfläche wuchs in dieser Zeit von 250 000 auf 420 000 Hektar. Damit ist der Verband der führende in Deutschland und Südtirol. Zu den mehr als 1150 Bioland-Vertragspartnern zählen unter anderen Bäckereien (224), Handelsbetriebe (103) und Metzgereien (102).

Als wichtigstes Ziel bezeichnet der Verband es, den organisch-biologischen Landbau umzusetzen, zu fördern und zu verbreiten. Er agiert nach sieben Prinzipien: im Kreislauf wirtschaften, Bodenfruchtbarkeit fördern, Tiere artgerecht halten, wertvolle Lebensmittel ohne Pestizide und Gentechnik erzeugen, biologische Vielfalt fördern, natürliche Lebensgrundlagen bewahren und Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern. msc

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