Auf den steigenden Bedarf nach Kinderbetreuungsplätzen reagieren die Kommunen im Landkreis mit Erweiterungen bestehender Kindereinrichtungen und dem Bau neuer Kitas. Mit neuen Räumen ist es aber nicht getan, denn es muss auch Personal her. Die BZ hat bei Kommunen nachgefragt, wie viele Stellen derzeit offen sind und wie sie versuchen, neues Personal zu gewinnen.

Vier städtische und drei kirchliche Kindertagesstätten gibt es in Bönnigheim. „Wir suchen eigentlich ständig“, sagt Klaus Walz, Leiter Fachbereich 1 Innere Dienste und Bildung. Gerade seien zwei Stellen unbesetzt wegen Krankheit und Schwangerschaft. Das ständig Stellen ausgeschrieben werden, sei aber mitnichten Ausdruck eines strukturellen Defizits, sondern liege an der Personalstruktur in den Kindergärten. „Für Arbeitgeber ist das natürlich nicht optimal, aber wann sollen Frauen ihre Kinder bekommen, wenn nicht zu dieser Zeit“, spielt Walz auf einen Grund für offene Stellen an. Probleme mit der Nachbesetzung gebe es in Bönnigheim nicht. So genau wisse man auch nicht, warum es hier gut laufe und andere Gemeinden sich da schwerer tun, meint Walz. „Wir haben einen guten Ruf bei den Fachschulen“, lautet ein Erklärungsversuch. Die Stadt zahlt nach Tarif und legt auch sonst keine Sonderleistungen oben drauf. „Für unsere Krippen-Mitarbeiter bieten wir Rückenschulungen an“, sagt Walz zu den Angeboten für Mitarbeiter. Ansonsten verlange die Gemeinde viel von ihren Mitarbeitern, weil es in den Einrichtungen ein ausgeprägtes Sprachprofil gebe. „Da müssen sich die Mitarbeiter immer weiterbilden“, erklärt Walz.

In Sachsenheim gibt es 14 Kindertageseinrichtungen, davon sind fünf in städtischer Trägerschaft. In diesen fünf Einrichtungen sind 65 pädagogische Fachkräfte angestellt, sieben fachfremde Zusatzkräfte, wie Kinderpfleger und Haushaltshilfskräfte, sowie zehn Auszubildende. Wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt, sind nur zwei Stellen im Moment vakant. „Wir hätten natürlich gern, dass alle Stellen besetzt sind, um die optimale Betreuung anzubieten“, sagt Pressesprecherin Nicole Raichle. Die Stadt sei jedoch mit der geringen Zahl der vakanten Stellen zufrieden.

Damit dies auch so bleibe, bietet die Stadt als Arbeitgeber zusätzliche Angebote an: Fortbildungsmöglichkeiten, flexible Teilzeitmodelle, Vertretungskräftepool, Aufstiegsmöglichkeiten, Betriebsausflug und Fachberatung sind nur einige davon. Neben diesen Anreizen setzt Sachsenheim auf Ausschreibungen in Zeitung und Internet, persönliche Ansprache sowie auf die Erhöhung der Ausbildungsstellen und Übernahme von Auszubildenden. Dennoch, nach dem aktuellen Stand des Kindergartenbedarfsplans braucht die Stadt in den nächsten Jahren sechs weitere Stellen. Doch der Bedarfsplan werde regelmäßig den neuen Anforderungen angepasst und die Stellen dann ausgeschrieben, wenn die geplanten Erweiterungen und neuen Einrichtungen fertiggestellt sind.

In Bietigheim-Bissingen ist es eine ähnliche Situation. Kitas werden erweitert und neue geplant, um die Plätze zu sichern. Damit die Stadt auch personell gut aufgestellt ist, setzt sie den Schwerpunkt auf die Ausbildung. Das habe sich in der Vergangenheit bewährt, erklärt Pressesprecherin Anette Hochmuth. 207 Stellen hat die Stadt in ihren 19 Kindertageseinrichtungen und vier Kinderhäusern angestellt. Dazu kommen 22 praxisintegrierte Auszubildende (PIA), zehn die ihr Praxisjahr in Bietigheim absolvieren und acht, die im Rahmen ihrer Berufskollegsausbildung in den Einrichtungen arbeiten. Im Moment sind zehn Plätze unbesetzt. Doch geht es nach dem aktuellen Bedarfsplan, braucht die Stadt bis 2028 zusätzliche 91 Stellen. „Es wird schwierig und es bleibt schwierig“, sagt Hochmuth, „wir werden verstärkt ausbilden und Teams weiter aufwerten“, nennt sie ein Teil der städtischen Maßnahmen, um die Stellen zu besetzen. Bei Letzterem gehe es darum, auch Studienabsolventen oder artverwandten Berufen die Möglichkeit zu bieten, in Kitas zu arbeiten. Allerdings sie auch hier der Bedarf und die Konkurrenz zwischen den Arbeitgebern groß. Zusätzliche Angebote, wie Hilfe bei der Wohnungssuche, Jobtickets, gute Arbeitsplatzausstattung, sowie mehr Geld sollen zusätzlich die Stadt als Arbeitgeber attraktiv machen.

Die Gemeinde Freudental hat zwei Kitas, in denen beide Teams aktuell voll besetzt sind mit Fachkräften, wie Bürgermeister Alexander Fleig auf Nachfrage erklärt. In der Kita Rosenweg betreuen 14 Fachkräfte sowie ein Auszubildender PIA die Kinder, in der Kita Taubenstraße sind es acht Fachkräfte sowie eine Integrationskraft. Darüber hinaus sind in beiden Einrichtungen jeweils ein FSJler sowie Praktikanten im ersten Ausbildungsjahr tätig. Viele der Erzieherinnen sind als Teilzeitkräfte beschäftigt. Fleig: „Auch wir merken den Fachkräftemangel, da bei den letzten Ausschreibungen nur wenige Bewerbungen eingegangen sind – aber immer eine Besetzung möglich war. Erfreulicherweise arbeiten viele Freudentaler Erzieherinnen bei uns, die kurze Wege haben.“ Insgesamt sei der Personalstand in den letzten Jahren deutlich nach oben gegangen, nachdem 2013 im Rosenweg und 2017 in der Taubenstraße jeweils eine Krippengruppe eröffnet wurde.

Verschiedene Ausbildungswege zum Erzieherberuf


Es gibt in Baden-Württemberg drei verschiedene Ausbildungsmodelle. Die meisten angehenden Erzieher besuchen zwei Jahre lang die Fachschule für Sozialpädagogik. Der Unterricht findet täglich statt, wird jedoch unterbrochen durch Praxistage oder längere Praxisphasen, die in den sozialpädagogischen Einrichtungen abgeleistet werden.

Alternativ bietet das Land Baden-Württemberg auch eine praxisintegrierte und eine Teilzeitausbildung an. Letztere dauert insgesamt vier Jahre. Bei der praxisintegrierten Ausbildung arbeiten die Studierenden nicht einen, sondern zwei Tage pro Woche in einer sozialpädagogischen Einrichtung. Zudem ist die Vergütung höher. An die schulische Ausbildung und die bestandenen Fachprüfungen schließt sich das einjährige Berufspraktikum an. Dieses ist in einer vom Schüler ausgewählten sozialpädagogischen Einrichtung zu absolvieren. Nicht jede Fachschule für Sozialpädagogik in Baden-Württemberg bietet alle Ausbildungsmodelle an. Interessenten sollten sich daher direkt bei den infrage kommenden Schulen über deren Ausbildungsangebot informieren.

Beruflich qualifizierte Interessenten, die mehrere Jahre lang in der sozialpädagogischen Praxis tätig waren aber keinen anerkannten pädagogischen Abschluss haben, können in Baden-Württemberg die „Nichtschülerprüfung“ ablegen. Sie melden sich bei der zuständigen Behörde für die Prüfung an und bereiten sich selbstständig oder mit der Unterstützung privater Anbieter darauf vor. Abgelegt werden kann die Externenprüfung an jeder öffentlichen Fachschule für Sozialpädagogik. bz