Osmanen Nicht Täter, sondern Opfer verurteilt

Kornwestheim / Bernd Winckler 09.02.2019

Im Kornwestheimer Osmanen-Rocker-Prozess ist das erste Urteil gefallen. Allerdings nicht wie erwartet, gegen die fünf angeklagten jungen Männer, sondern gegen ihr Opfer. Der nämlich soll bei der Aufklärung der gegen ihn gerichteten blutigen Attacke bewusst zwei der Angeklagten zu Unrecht als Täter bezeichnet haben. Dafür muss er jetzt wegen Falschaussage und Freiheitsberaubung eineinhalb Jahre hinter Gitter.

Schwer verletzt worden

Am 12. Februar 2018 wurde der 26-Jährige vor seinem Kornwestheimer Elternhaus von einer Gruppe vermummter Männer überfallen und mittels Messer, Macheten und Holzprügel schwer verletzt. Was jetzt folgte, war nicht nur für die Ludwigsburger Kripo, sondern auch für die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und für die 4. Große Jugendstrafkammer am Landgericht, die derzeit gegen fünf mutmaßliche Täter verhandelt, ein klassischer Fall von Falschaussage. Der 26-Jährige hatte in seinen Vernehmungen behauptet, zwei der Täter als Mitglieder der Ludwigsburger Osmanen Germania BC zu kennen und nannte auch ihre Namen. Folglich klickten bei den beiden zehn Tage nach dem Überfall die Handschellen. Wie sich herausstellte, waren die Aussagen glatte Lügen. Erst im Oktober wurde der Haftbefehl gegen einen der Verdächtigen aufgehoben. Allerdings sitzt er erneut in Untersuchungshaft wegen anderer Vorwürfe im Gewaltbereich. Der Zweite war bereits im Juni entlassen worden. Er war zwar nach den Ermittlungen der Polizei involviert, aber nur als Strippenzieher am Rande. Die Männer machten es den Richtern auch nicht leicht mit der Aufklärung: Sie schwiegen eisern zum Vorwurf des gemeinschaftlichen versuchten Mordes.

Nun wurde das Opfer vom Schöffengericht wegen Falschaussage, falscher Verdächtigung wider besseren Wissens und Freiheitsberaubung zu der Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monate verurteilt und eine Strafaussetzung zur Bewährung abgelehnt. Die Anklägerin hatte aufgrund der besonders schweren Folgen seiner Falschaussage eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monate gefordert. Für das immer noch laufende Verfahren gegen die fünf mutmaßlichen Osmanen Germania-Mitglieder vor dem Stuttgarter Landgericht ist es nicht mehr von Belang, ob der 26-Jährige als Zeuge aussagt oder nicht. Immerhin jedoch bemühen sich die Richter weiterhin um eine Aufklärung des blutigen Kornwestheimer Überfalls. Dazu sind weitere Verhandlungstermine für die Beweisaufnahme bis zum 9. April terminiert worden. Am Montag geht die Verhandlung weiter.

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