Der Tammer Gemeinderat hat den Bebauungsplan „Kirschenau“ beschlossen. Das Areal ist rund 1,2 Hektar groß und befindet sich am nördlichen Ortsrand der Gemeinde zwischen der Bissinger Straße und der Bietigheimer Straße. Die betroffenen Flurstücke werden derzeit überwiegend landwirtschaftlich genutzt und sind teilweise in privatem Eigentum sowie im Besitz der Kommune. Die Vertreter der Tammer Verwaltung und die Mehrheit des Gemeinderates wollen daraus nun eine Gemeinbedarfsfläche machen und mit einem entsprechenden Bebauungsplan „Kirschenau“ den Weg für eine künftige Nutzung des Areals ebnen.

Im Norden soll nach einer großzügigen Grünfläche der Übungshof, die Wagenhalle und der Verwaltungstrakt der Freiwilligen Feuerwehr entstehen. Sie ist jetzt in beengten Verhältnissen mitten im alten Ortskern an der Hauptstraße, einer geschwindigkeitsreduzierten Zone untergebracht und braucht auch wegen der problematischen Zu- und Abfahrtssituation sowie der umliegenden Wohnbebauung dringend ein neues Betriebsgelände. Auch der Ortsverband des DRK soll am neuen Standort der Feuerwehr angesiedelt werden. Auch soll dort eine viergruppige Kindertagesstätte entstehen und eine Fläche für kulturelle sowie soziale Einrichtungen und soziale Wohnnutzungen vorgehalten werden. Bei Bedarf könnte dort eine neue Unterkunft für Flüchtlinge errichtet werden. Die Haupterschließung des Gebiets soll über die Landesstraße L 1110/Bissinger Straße erfolgen, wobei geplant ist, die Ortsgrenze weiter nach Norden zu verschieben. Die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr sollen auch im Bedarfsfall über die Kreisstraße K 1671 zu- und abfahren können, wobei diese Möglichkeit mit einer Schrankensicherung wirklich nur den Einsatzfahrzeugen vorbehalten sein soll.

Eine weitere Grünzäsur wird es zwischen der bestehenden Wohnbebauung am jetzigen Ortsrand und den neuen Gebäuden für Kindergarten und soziale Wohnnutzungen geben. Ein Fuß- und Radweg auf Höhe der Schubarthstraße wird das bestehende Wohngebiet mit dem neuen Areal verbinden. Im Westen wird im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens die Notwasserversorgung der Tiefbrunnen „Kirschenau“ sichergestellt. Der zuständige Planer Uwe Müller vom Ludwigsburger Büro KMB machte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich: „Wir haben im Technischen Ausschuss bereits intensiv über den Bebauungsplanentwurf diskutiert. Dabei kam die Anregung, die Gebäudehöhe nochmals zu steigern. Dies ist jetzt berücksichtigt. Im Bereich des Verwaltungsbaus der Feuerwehr gibt es jetzt vier Geschosse und beim Kindergarten drei.“ Die Gebäudehöhe liegt dann beim Kindergarten bei rund zehn und beim Verwaltungsbau bei rund 13 Metern. Adolf Bommer (CDU) warb für die Aufstockung, die weiteren Wohnraum schaffen könnte. Bürgermeister Martin Bernhard warnte davor, zu sehr den Schwerpunkt auf Wohnbau zu legen, da die Planfläche als Gemeindebedarfsfläche ausgewiesen werden soll. Bei einer Wohnbaufläche würden andere rechtliche Rahmenbedingungen gelten. Alexander Maier (SPD) waren vier Stockwerke am Ortseingang zu massiv. Reiner Balko von den Grünen wehrte sich gegen den Kindergarten: „Es gibt im Ort genügend Standortvarianten, die fußläufig zu erreichen sind. Ich beantrage eine eingeschränkte gewerbliche Nutzung zuzulassen“, so Balko. Er fand für diesen Antrag keine Mehrheit.

Kritisch könnte noch die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer werden, die in der Vergangenheit nicht gerade groß war. Es gab auch gegen den Bebauungsplanentwurf private Einwände, unter anderem Lärmbelästigung durch die Feuerwehr und kritisiert wurde der Standort eines Kindergartens in unmittelbarer Nachbarschaft eines Flüchtlingsheims. Der mehrheitlich beschlossene Planentwurf wird nochmals öffentlich ausgelegt.