Kreis Ludwigsburg / Bernd Winckler  Uhr

Seit gestern befasst sich erneut eine große Strafkammer am Stuttgarter Landgericht mit der Schießerei vom 1. März 2017 in Ludwigsburg-Eglosheim auf einen Autofahrer, der zuvor Opfer einer Schießerei auf sein Asperger Bistro war. Der Schütze ist schon verurteilt. Der angebliche Anstifter jedoch sitzt nun auf der Anklagebank: Neben großer Drogengeschäfte, Geldwäsche, Diebstahl und Waffenbesitz, lautet gegen ihn noch der Vorwurf auf vorsätzliche gefährliche Körperverletzung.

Der gestern begonnene Prozess vor der 18. Großen Staatsschutz-Strafkammer gegen den 26-jährigen Kornwestheimer am Stuttgarter Landgericht ist geprägt durch umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Die Justiz stuft den Mann als einen gefährlichen Angeklagten ein. Der Fall wird von der Staatsanwaltschaft in die seit Jahren bestehenden gewaltsamen Konflikte der Ludwigsburger Rockergang Osmanen Germania BC und deren Gegner der Kurden-Gruppe Bahoz oder Black-Jacketts eingestuft.

Große Rauschgiftmengen

Hauptanklagepunkte gegen den 26-Jährigen sind jedoch ab Anfang 2018 umfangreiche Rauschgiftgeschäfte im mehrfachen Kilobereich. Als die Ludwigsburger Polizei seine Kornwestheimer Wohnung in Augenschein nahm, wurden eine halbautomatische Kurzwaffe sowie 83 000 Euro in bar sichergestellt. Geld, das laut Staatsanwaltschaft aus Drogengeschäften stammt. Ob das aber die Waffe ist, mit der Schüsse auf die Gaststätte in der Bahnhofstraße in Asperg abgegeben wurden, ist ungeklärt. Das Verfahren gegen einen anderen Schützen wurde vom Stuttgarter Landgericht im Oktober 2018 wegen Geringfügigkeit eingestellt, da jener wegen schwerer anderer Straftaten verurteilt wurde.

Überfall als Racheakt

Das Ganze sei aus Rache geschehen, weil im Januar 2017 mehrere mutmaßliche Osmanen-Mitglieder in Asperg einen befreundeten Kurden zusammengeschlagen hätten. Nicht nur die Rolle in der Eglosheimer Schießerei lastet die Staatsanwaltschaft jetzt dem 26-Jährigen an. Es geht auch um einen Einbruch ins Marstall-Center. Der Angeklagte sitzt bereits seit Anfang 2018 mit vier weiteren Beschuldigten auf der Anklagebank, der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen versuchten Mord. Sie sollen am 12. Februar einen 24-Jährigen vor dessen Kornwestheimer Elternhaus überfallen und schwer verletzt haben (die BZ berichtete).

Der gestern neu begonnene Prozess ist auf neun Fortsetzungstermine angesetzt. Ein Gesamturteil soll Mitte April verkündet werden.