Der brutale Überfall in Kornwestheim vom 12. Februar vergangenen Jahres auf einen kurdischstämmigen 26-Jährigen, welcher durch Baseballschläge und Macheten-Stiche schwer verletzt wurde, wird die Richter am Stuttgarter Landgericht jetzt doch noch bis weit in den April dieses Jahres hinein beschäftigen. Der Grund sind neue Beweiserhebungen und neue Zeugen.

Angeklagter leugnet

Eigentlich sollte am Dienstag vor der 4. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht die seit November letzten Jahres laufende Beweisaufnahme gegen die fünf Angeklagten abgeschlossen werden. Doch es kam anders: Der Hauptangeklagte, mutmaßlicher Mitläufer der Rockerbande Osmanen Germania BC, hatte vergangene Woche erstmals in dem Verfahren eine Erklärung abgegeben und mitgeteilt, dass er an der Kornwestheimer Racheaktion nicht dabei war, aber gleichwohl dabei war, als man die Sache geplant habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und seinen vier Mitangeklagten gemeinschaftlichen versuchten Mord vor, weil man den 26-jährigen Kurden mit Baseballschlägern und Macheten attackiert und schwer verletzt hatte (die BZ berichtete). In seiner Erklärung hatte der Angeklagte dargelegt, dass das Opfer gelogen habe, als es ihn als Mittäter bezeichnete. Allerdings wurden bei der Durchsuchung seiner Wohnung Waffen und andere tatrelevante Gegenstände sichergestellt, wie ein Polizeibeamter im aussagte. Die Gerichtsvorsitzende zweifelt deshalb die Unschuldsbeteuerungen des 26-Jährigen an. Dazu müssen jetzt weitere Zeugen vernommen werden.

Weiter geht’s am 9. April

Ebenso haben die Verteidiger des Angeklagten Anträge gestellt, die Drogenabhängigkeit ihres Mandanten unter die Lupe zu nehmen. Das Gericht hat Verhandlungs-Fortsetzungen bis zum 9. April dieses Jahres angesetzt – und will an diesem Tag dann auch endgültig die Urteile gegen die fünf Männer verkünden.

Gleichwohl haben die Stuttgarter Richter aber den Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordversuchs gegen die Angeklagten mangels Beweis einer Heimtücke vom Tisch gefegt. Es könne höchsten falls noch der Tatbestand der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung vorliegen, heißt es in einer dienstlichen Erklärung. Die Verhandlung wird am 30. Januar fortgesetzt.