Marbach/Walheim Netzagentur verweigert EnBW Stilllegung von Kraftwerksblöcken

Blick auf das Kohlekraftwerk in Walheim. Die Anlage wird als "systemrelevant" eingestuft.
Blick auf das Kohlekraftwerk in Walheim. Die Anlage wird als "systemrelevant" eingestuft. © Foto: Helmut Pangerl
Marbach/Walheim / ANDREAS LUKESCH 16.01.2014
Die Energiewende sorgt weiter für Umbrüche: Aus der geplanten Außerbetriebnahme von vier konventionellen EnBW-Kraftwerksblöcken in Marbach und Walheim wird vorerst nichts. Die Bundesnetzagentur verweigert die Zustimmung.

Die vier konventionell betriebenen Kraftwerksblöcke der EnBW-Anlagen in Walheim und Marbach werden nicht wie geplant im Sommer außer Betrieb genommen, sondern deren Leistungsbereitschaft muss weiter aufrecht erhalten werden, um bei Bedarf für Versorgungssicherheit zu sorgen. Finanzieren muss dies die Allgemeinheit, denn den Stand-By-Betrieb stellt der Energieversorger einem sogenannten Übertragungsnetzbetreiber in Rechnung.

Zum Hintergrund: Im vergangenen Sommer hatte die EnBW angekündigt, die vier Kraftwerksblöcke stillzulegen. Als Grund wurde der "rapide strukturelle Umbruch" in der Energiewirtschaft genannt. Aufgrund der deutlichen Zunahme erneuerbarer Energien seien konventionell betriebene Kraftwerke (Kohle, Öl, Gas) derart unter wirtschaftlichen Druck geraten, dass die Vollkosten nicht mehr gedeckt werden könnten. Aus diesem Grund sollten am Standort Marbach der heizölbefeuerte Kombiblock III sowie die Gasturbine II und in Walheim die Steinkohleblöcke 1 und 2 mit Wirkung zum 5. Juli 2014 außer Betrieb genommen werden.

Doch ein entsprechender Vorstandsbeschluss der EnBW reicht nicht aus, um die Stilllegung umzusetzen, denn ein solcher Schritt muss von der Bundesnetzagentur genehmigt werden.

Rechtliche Grundlage sind das Energiewirtschaftsgesetz und die Reservekraftwerksverordnung. Danach können systemrelevante Kraftwerke bis zur endgültigen Stilllegung mit entsprechender Vergütung in die Netzreserve aufgenommen werden.

Binnen eines Jahres nach Verkündigung des Stilllegungsbeschlusses müssen Bundesnetzagentur und der Übertragungsnetzbetreiber die Auswirkungen der sogenannten Außerbetriebnahme prüfen und dann entscheiden, ob der Hebel in Marbach und Walheim tatsächlich umgelegt werden kann. Dies haben die verantwortlichen Stellen nun getan und sind zu dem Schluss gekommen: Die Blöcke müssen in Betrieb bleiben, um die Versorgungssicherheit in Süddeutschland nicht zu gefährden. Auf Anfrage der BZ bestätigte EnBW-Sprecherin Friderike Eggstein den Eingang eines entsprechenden negativen Bescheids.

Die Verfügung der Bundesnetzagentur gilt für 24 Monate. Es ist laut EnBW die erste Ablehnung von Stilllegungen konventioneller Kraftwerke mit dem Argument der Versorgungssicherheit.

Für Walheim und Marbach bedeutet das nach Auskunft von Eggstein, dass die Blöcke zwar nicht mehr "am Markt" sind, also keinen Dauerbetrieb mehr fahren, bei Bedarf aber jederzeit Strom liefern müssen - auf Abruf sozusagen. Die Entscheidung darüber wird beim Übertragungsnetzbetreiber getroffen, von dem die EnBW die Kosten für die Aufrechterhaltung des Kraftwerkbetriebs einfordert. Anders ausgedrückt: Die EnBW kassiert Ausgleichszahlungen für den Weiterbetrieb.

Das bedeutet auch, dass die 100 Mitarbeiter, die derzeit an beiden Standorten beschäftigt sind, ihrer Arbeit voraussichtlich zum überwiegenden Teil weiter nachgehen können, denn Betrieb, Wartung und Instandhaltung der Anlagen sowie der Bereitschaftsdienst sind laut Eggstein zu gewährleisten. Eine radikale Umstellung dürfte dies nicht für die Mitarbeiter bedeuten, denn schon jetzt ist der Betrieb der Kraftwerke von der Volllast weit entfernt.

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