„Wir sind überrascht über die EnBW“, erklärte Tillmann Hepperle, Geschäftsführer der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL), jüngst in einem Pressegespräch. Grund für die Verwunderung sei, dass es bislang noch keine Anfrage des Energieversorgers gebe, wo der freigemessene, also unbedenkliche Schrott des im Rückbau befindlichen Atomkraftwerks Neckarwestheim abgeladen werden kann.  Schon im Februar 2018 hatte das Umweltministerium grünes Licht für die Entsorgung des freigemessenen Bauschutts aus Neckarwestheim auf den Erddeponien des Landkreises gegeben. Bislang ist aber noch nichts geschehen.

Die EnBW erklärt auf BZ-Anfrage: „Bis zur Anmeldung einer Abfall-Charge und ihrer späteren Anlieferung ist eine Reihe von organisatorischen, praktischen und formalen Schritten erforderlich. Diese Schritte werden derzeit abgearbeitet.“ Dabei würden sowohl die geltenden formalen Regelungen befolgt als auch die freiwilligen zusätzlichen Punkte, die sich aus der sogenannten Handlungsanleitung des Landkreistags ergeben. Abfall-Chargen müssten beim jeweiligen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger des Landkreises und beim Umweltministerium Baden-Württemberg angemeldet werden. Nach der Anmeldung einer Charge erfolge die Kontrolle durch die Gutachter des Umweltministeriums und die des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers. „Bislang hat es noch keine Anmeldung einer Charge gegeben, da der Prozess noch läuft. Wir beabsichtigen, noch im Jahr 2019 die erste Chargen-Anmeldung vorzunehmen“, so die EnBW.

Das versteht man unter freigemessenem Abfall


Beim Vorgang des Freimessens wird laut Umweltministerium die radioaktive Strahlung von Abfällen geprüft. Material, dessen Aktivität die Freigabewerte der Strahlenschutzverordnung unterschreitet, gilt als freigemessen. Danach fällt das Material nicht mehr unter das Atomrecht, sondern unter das Abfallrecht. Beim Abriss eines Kernkraftwerks können laut Ministerium etwa 97 Prozent der Gesamtmasse freigegeben werden. Mit dem Rückbau von Block I wurde im Februar 2017 begonnen. Der Rückbau soll 10 bis 15 Jahre dauern. bz