Gericht Mutter muss vier Jahre ins Gefängnis

Pleidelsheim / Bernd Winckler 04.10.2018

Die 42-jährige Mutter, die ihre 18-jährige Tochter und deren gleichaltrige Freundin in einem Pleidelsheimer Friseursalon niedergestochen hatte, muss laut dem Urteil des Stuttgarter Landgerichts vier Jahre ins Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte neun Jahre gefordert, die Verteidigerin zwei Jahre auf Bewährung. Das Gericht geht von zweifachem versuchtem Totschlag aus und verhängte dafür vier Jahre Haft.

Der Vorsitzende Richter Jörg Geiger gestand der zu Beginn des Prozesses wegen versuchten zweifachen Mordes angeklagten 42-jährigen Mutter eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit zu, ausgelöst durch eine Art Affekt zur Tatzeit und der eigentlichen Tatumstände.

Die Schwurgerichtskammer hatte sich in der Beratung eingehend mit dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen befasst und kam im Urteil jetzt zu dem Ergebnis, dass die Angeklagte das Tatmesser mit einer 8,9 Zentimeter langen, aber sehr spitzer Klinge, an jenem 11. Januar dieses Jahres nicht absichtlich zum Zwecke eines gewaltsamen Einsatzes gegen Tochter und deren Freundin mit in den Friseursalon genommen hatte. Dann nämlich hätte es sich um einen geplanten Tötungsversuch gehandelt, der durchaus mit der vom Staatsanwalt beantragten neunjährigen Haftstrafe gesühnt worden wäre. Vielmehr befand sich das Messer zufällig in ihrer Jacke.

Hinsichtlich des Tatablaufs gingen die Richter davon aus, dass zunächst zwischen Mutter und Tochter vor dem Pleidelsheimer Friseursalon nach einem missglücktem Versöhnungsversuch ein Streit entbrannte. Die Angeklagte wollte erreichen, dass sich ihre in der Ausbildung zur Stylistin befindliche Tochter vom angeblich schlechten Umfang der gleichaltrigen Freundin abwendet und ihr Bekenntnis zur Mutter abgibt. Die Freundin sei schuld an den Drogenproblemen der Tochter. Erst als diese der Mutter sagte, sie hätte sich für die Freundin entschieden, sei die Angeklagte tief schockiert gewesen, und habe nach richterlicher Meinung keinen anderen Ausweg als das Messer gesehen.

Die Stichverletzungen der Tochter waren nur abstrakt lebensgefährlich, sagte Richter Geiger im Urteil. Hingegen befand sich die Freundin durch bis zu zehn Zentimeter tiefe Stiche in denn Magenbereich in akuter Lebensgefahr.

Zweifacher Totschlag

Mit den Messerstichen hat laut dem Urteil die Angeklagte den Tatbestand des versuchten zweifachen Totschlags mit jeweiliger Körperverletzung erfüllt. Sie habe zwar keinen direkten Vorsatz, aber eine billigende Tötung der beiden Opfer in Kauf genommen (Bedingter Tötungsvorsatz). Der Vorwurf des zweifachen versuchten Mordes ist laut dem Urteil nicht gegeben, weil das Merkmal der Heimtücke, beziehungsweise der niederen Beweggründe, nicht nachweisbar seien.

Zu dieser Erkenntnis war auch bereits der Staatsanwalt in seinem Plädoyer gekommen, hatte aber wegen Totschlagversuch dennoch neun Jahre Haft beantragt, ohne Billigung einer verminderten Schuldfähigkeit. Die Verteidigerin sah weder Mord- noch Totschlagversuch für erwiesen an und forderte wegen Körperverletzung zwei Jahre Haft. Dem jedoch habe man angesichts der schweren Auswirkungen bei den Opfern nicht folgen können, sagte der Richter und wies vor allem auf die Verletzungen der Freundin hin, die lebenslang mit Narben behaftet sein wird und wochenlang im Krankenhaus verbringen musste. Mit  vier Jahren Freiheitsstrafe sieht die Schwurgerichtskammer die Tat als gesühnt an.

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