Es war eine knappe Entscheidung, die im Besigheimer Gemeinderat mit elf zu acht Stimmen fiel: Die Besigheimer Musikschule wird zum 1. Oktober ihre Gebühren um 2,5 Prozent erhöhen, eine weitere Erhöhung in gleicher Höhe erfolgt zum 1. Oktober 2021. Ein Antrag der SPD scheiterte damit ebenso knapp: Die Sozialdemokraten wollten die Erhöhung auf den Einzelunterricht beschränken. Ihre Argumente: Das Land habe seine Förderung um 25 Prozent erhöht, von zehn Prozent auf 12,5 Prozent. Zudem sollten die Eltern von weiteren Gebühren angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie verschont bleiben.

Zuvor hatte der Besigheimer Musikschul-Leiter Roland Haug die Probleme geschildert, mit der die Musikschule zu kämpfen hat. Viele Eltern haben das Angebot des Unterrichts über Video-Chat, Telefon oder Mail nicht angenommen. Die Musikschule selbst sei dafür technisch nicht gerüstet, die Musiklehrer hätten dies von zu Hause erledigen müssen. Seit dem 6. Mai dürfen die Streich-, Zupf- und Tasteninstrumente und Schlagzeuger wieder unterrichtet werden, seit dem 25. Mai sind die Bläser und der Gesang wieder zurück. In den Räumen des Steinhauses seien die Hygienevorschriften nur mit Mühe umzusetzen.
Reimund Schiffer, der Leiter der Musikschule Bietigheim-Bissingen, ist nicht so pessimistisch gestimmt, was die Lage seiner Institution betrifft: „Die Schülerzahlen sind in den letzten Jahren sehr konstant.“ Aber er könne nur schwer sagen, wie es nach den Sommerferien weitergeht.  Da alle Veranstaltungen bis Ende der Sommerferien durch die Stadt abgesagt sind, könne auch die wichtigste Werbeveranstaltung – die Musikschulinfo – nicht stattfinden. Die Gebühren im April wurden trotz Onlineunterricht auf Beschluss des Gemeindesrats analog zu den Kitagebühren erstattet.
Die Musikschule Bietigheim-Bissingen hatte vor drei Wochen mit dem Präsenzunterricht bei den Streichern, Zupfern, Pianisten uns Schlagzeugern begonnen. Nach den Pfingstferien, so Schiffer, kann auch der Unterricht bei den Bläsern und im Fach Gesang wieder starten. Außerdem sei der Unterricht im Elementarbereich bis zu einer Gruppengröße von zehn Teilnehmern möglich. „Unser größtes Problem ist die Raumsituation. Denn wir dürfen aktuell noch nicht in die Schulen. Das trifft uns besonders hart, weil wir natürlich viele Angebote auch außerhalb des Musikschulgebäudes haben“, sagt Schiffer. Von daher müsste der Onlineunterricht in bestimmten Bereichen auch noch eine Weile weitergeführt werden.
Die Lehrkräfte seiner Schule hatten sich unmittelbar nach Schließung der Musikschule mit dem Thema Onlineunterricht auseinandergesetzt. „Es ist uns gelungen, fast alle Schüler im Instrumentalbereich digital zu unterrichten“, sagt der Leiter der Musikschule, „dieses Angebot kam bei Eltern und Schülern sehr gut an und hat dazu beigetragen, die Bindung zwischen Familien und Musikschule weiter zu stärken“.
Die Lehrer installieren regelmäßig Unterrichtsvideos auf der Website. Es wurde Unterricht in Videokonferenzen angeboten. „Durch den engagierten Einsatz der Lehrkräfte ist es uns gelungen, die Schüler zu 99 Prozent zu halten“, sagt Schiffer. Die Schüler haben zumeist über Skype Einzelunterricht bekommen. Leider, so Schiffer, gab es für die Instrumentalklassen in den Schulen keine Möglichkeit, digital zu musizieren. „Auch hier haben wir versucht, die Kinder einzeln online zu erreichen.“ Die Gebühren sind zuletzt am 1. März 2017 erhöht worden. „Ob eine Erhöhung in nächster Zeit ansteht, kann ich noch nicht sagen, ich denke aber nicht, dass der Grund dann die Coronakrise ist“, so Schiffer.
Rainer Falk, Stadtmusikdirektor in Bönnigheim und Leiter der Musikschule Bönnigheim, kann den Anforderungen, die die Corona-Schutzmaßnahmen seiner Institution aufbürdeten, durchaus etwas Positives abgewinnen: „An der Musikschule Bönnigheim gab es einen guten Umgang mit dem digitalen Unterricht und sehr positive Rückmeldungen, so dass wir daran denken, Formen des Online-Unterrichts weiterzuführen“, sagt Falk. Er räumt aber ein, dass dann noch einiges verbessert werden müsste: „Wir hatten vor allem Probleme in Bönnigheim mit der Qualität der Internetverbindung, sie war zum Teil so schlecht, dass wir den eng getakteten Online-Unterricht per Telefon weiterführen mussten.“ Zudem müsse an der technischen Ausstattung der Musikschule in Form von Tablets, Mikrofonen und Kameras einiges verbessert werden, so Falk.
Die Musiklehrer seien anfangs zwar ins „kalte Wasser“ geworfen worden, zeigten sich aber „firm in vielen digitalen Formaten“. Jedoch hätten sie ihre privaten Laptops verwenden müssen und auch für die Schüler hätte es Anfangsschwierigkeiten mit der Software gegeben. „Allerdings haben die meisten Eltern uns positive Rückmeldungen gegeben, dass es entspannter war, dem Kind den Computer einzurichten als es zur Musikschule zu fahren und wieder abzuholen“, so Falk.

Positives Fazit

Der gesamte Einzel-Instrumenten-Unterricht habe stattgefunden. Die Lehrerinnen der musikalischen Früherziehung hätten Videos für die Kinder erstellt, die diese mit ihren Eltern zu Hause anschauten und mitmachten. Nur die Orchesterproben müssten noch warten, so Falk.

In der Musikschule Bönnigheim haben die Eltern die Gebühren weiterbezahlt, allerdings will Rainer Falk am Jahresende auflisten, welcher Unterricht tatsächlich oder digital stattgefunden hat. „Ausgefallener Unterricht wird den Eltern erstattet“, so Falk. Auch die Gebühren „werden aufgrund Coronas nicht erhöht, das kann ich ganz sicher sagen, wir denken derzeit nicht über eine Gebührenerhöhung nach.“