Schlossfestspiele Musikalische Inspirationen aus der Natur

Pianist Pierre-Laurent Aimard im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses.
Pianist Pierre-Laurent Aimard im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses. © Foto: Richard Dannenmann
Ludwigsburg / Bettina Nowakowski 02.07.2018

Die Natur als Inspirationsquelle ist seit Jahrhunderten bei Malern wie Komponisten ein beliebtes Thema. Das klangliche Naturerlebnis war auch das Motto des Konzertabends am Freitagabend bei den Schlossfestspielen mit dem französischen Konzertpianisten Pierre-Laurent Aimard, der für seine einzigartige Interpretation zeitgenössischer Musik weltbekannt und mehrfach ausgezeichnet wurde. Im fast ausverkauften Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses überzeugte der Pianist mit seinen Interpretationen von musikalischen Naturbetrachtungen diverser Komponisten durch mehrere Jahrhunderte das begeisterte, hochkonzentriert lauschende Publikum in gut zwei Stunden.

Den Anfang machte mit Louis-Claude Daquin ein barocker Komponist, der das Naturmotiv mit dem prägnanten Ruf des Kuckucks umsetzte, in Kombination mit dem schnellen Flug der Schwalben. „Das Naturerlebnis kommt unwahrscheinlich gut rüber“, begeisterte sich eine Zuhörerin. „Es ist, als entschwindet man in eine andere Welt.“ Mit Olivier Messiaens „Catalogue d’oiseaux“ wählte Pierre-Laurent Aimard ein Schlüsselwerk der Modernen Musik und interpretierte es ausdrucksvoll, vehement und mit kraftvollem Anschlag.

Fast fließend der Übergang zu „Miroirs“ von Maurice Ravel, ein 1905 komponierter Klavierzyklus, der – zusammen mit den Werken des Zeitgenossen Claude Debussy – für den französischen Impressionismus musikalisch prägend war. Die vielfältigen Klangbilder reichen von perlenden Melodienbögen bis zu dunklen, lauten Oktaven, die allesamt ein hohes technisches Können voraussetzen. Aimard spielte fulminant wie emotionsvoll und wurde dafür zur Pause mit langanhaltendem Applaus belohnt.

Der zweite Teil des Abends war eine Hommage an Claude Debussy. Die 1920 zum Gedenken an den zwei Jahre zuvor verstorbenen Komponisten komponierten Werke von Malipiero, Eugène Goossens, Paul Dukas über Béla Bartók bis Igor Strawinsky zeigten sowohl die musikalisch unterschiedlichen Interpretationen als auch die klanglichen Übereinstimmungen auf.

Mitreißende Klangbilder

Mit „Image I & II“ von Claude Debussy erlebte das Publikum einen Höhepunkt des Abends. Voller Emotion, in technischer Perfektion und mit einer ausdrucksvollen Anschlagsvielfalt verwandelte Pierre-Laurent Aimard die von Debussy in Musik eingefangenen Naturimpressionen in mitreißende Klangbilder. Was der impressionistische Maler Claude Monet in faszinierenden Farben in seinen Bildern gestaltete, setzte Claude Debussy in seinem „Reflets dans l’eau“, einem der bekanntesten und beliebtesten Klavierstücke von ihm, in musikalische Reflexionen um, die das Glitzern der Wassertropfen im Sonnenlicht vor dem geistigen Auge entstehen ließen.

Erst nach langem Applaus, Bravo-Rufen und zwei Zugaben ließ das Publikum den ebenso sympathischen wie musikalisch außergewöhnlichen Pianisten von der Bühne gehen. Ein unkonventioneller Konzertgenuss, der absolutes Vergnügen bereitete. Chapeau, Monsieur Aimard.

Überschrift Infokasten einzeilig

Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz

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