Schwäbisch Mundartpflege nicht in der Schule

Schüler müssen ins Theater oder Kabarett gehen, um Schwäbisch als Kultursprache zu hören: Das Theater Lindenhof bringt als Bietigheimer Stadttheater des öfteren schwäbische Stücke wie „Kujau – der echte Fälscher“ auf die Bühne.  Foto: Martin Kalb
Schüler müssen ins Theater oder Kabarett gehen, um Schwäbisch als Kultursprache zu hören: Das Theater Lindenhof bringt als Bietigheimer Stadttheater des öfteren schwäbische Stücke wie „Kujau – der echte Fälscher“ auf die Bühne. Foto: Martin Kalb © Foto: Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / sz 11.11.2016

Die Mundart ist ein wertvolles Spracherbe und darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Dr. Wolfgang Wulz, Vorsitzender des Vereins Schwäbische Mund.Art. Deshalb hat der Verein auch den Arbeitskreis Mundart in der Schule ins Leben gerufen, um den Dialekt in die Schulen zu bringen. Schulen können auf Vermittlung und finanziell unterstützt durch Sponsoren wie den Förderverein Schwäbischer Dialekt bis zu zwei Mundart-Künstler pro Jahr beantragen.

500 Begegnungen schwäbischer Künstler mit Schülern, sagt Wulz, gebe es pro Jahr landesweit – jedoch nicht in der Region. Es scheint in Bietigheim-Bissingen und Umgebung kein Interesse daran zu bestehen, den Dialekt, das Schwäbische, in die Schule zu bringen. Auch beim vom Verein Schwäbische Mund.Art ausgeschriebenen Schulpreis „Mundart in der Schule“ finden sich keine Teilnehmer aus der Region. Um schwäbische Sprache kunstvoll zu hören und zu erleben, müssen junge Leute in die Aufführungen des Theaters Lindenhofs in der Stadt oder zu einem der vielen Mundart-Künstler der Region.

„Mundart ist schon ein Thema in der Schule“, sagt Detlef Hanso, Abteilungsleiter für Deutsch in den Ellental-Gymnasien. Es stehe sogar auf dem Lehrplan. Als Wissenschaft. In der neunten, zehnten und elften Klasse nehmen die Schüler das Thema „gesprochene und geschriebene Sprache“ durch, darunter auch der Punkt „Sprachgeschichte und Dialekt“. Hanso erklärt, dass die Schüler Dialekte benennen müssen, die Funktionen von Mundart erläutern müssen und einzelne Dialekte, wie das Schwäbische, werden näher betrachtet.  Und in der Praxis? „Ich finde, die Schüler sprechen zu sehr Dialekt“, äußert Hanso seine Meinung.

Die Schüler müssten lernen, die Hochsprache zu verwenden. „Natürlich gehört das Schwäbisch zu den hier ansässigen Schülern, hier kommen sie her, natürlich muss die Mundart gepflegt werden, aber in der Schule sollte vor allem die Schriftsprache erlernt werden“, sagt Hanso, der Probleme mit dem Dialekt vor allem in der Orthografie erkennt. „Das Schreiben ist das Problem, wenn eine Jugendlicher zu sehr schwäbelt“, sagt er. Und hier stimmt ihm Isolde Steigelmann, Rektorin der Gemeinschaftsschule im Sand zu. „Die Schüler, die Schwäbisch sprechen, schreiben oft auch so.“

Detlef Hanso aber verweist darauf, dass die Mundart durchaus ihren Platz an der Schule hat. In  Klasse 5 gebe es ab und an schwäbische Lesungen, schwäbische Aufführungen des Lindenhof-Theaters würden besucht, aber auch genauso BAP-Texte durchgenommen, damit die Schüler auch andere Mundarten kennenlernen. „Im Trend liegt gerade bei den Jugendlichen der Poetry-Slam“, sagt Hanso, aber da spiele Schwäbisch keine Rolle. „In der Schule geht es um Hochdeutsch“, so der Deutschlehrer.

Während Hanso keinen Rückgang des Gebrauchs des Schwäbischen bei seinen Schülern bemerkt, sagt Isolde Steigelmann: „Die meisten Schüler sprechen nur einzelne Wörter Schwäbisch“. Es habe sich mehr und mehr eine Umgangssprache, auch durch die vielen Migranten, herausgebildet, in der nur einzelne schwäbische Begriffe verwendet werden. „Wir sprechen schon über Dialekt, auch schon in der Grundschule, weisen auf Unterschiede zur Schriftsprache hin, aber nehmen den Dialekt als heimat- und kulturbildend ernst“, sagt die Rektorin. Ab der vierten Klasse, so erklärt sie, müssten die Schüler vor allem in Präsentationen hochdeutsch sprechen. „Da geht es auch um den richtigen Gebrauch der deutschen Grammatik“ sagt sie. Auf ihrer Schule gebe es aber „nur ein paar Kinder, die breiten Dialekt sprechen“.

Überschrift Infokasten einzeilig

Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz

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