Ein fruchtiger Apfelduft liegt in der Luft über dem Parkplatz vor der Fischerwörth-Sportanlage. Seit gut zehn Jahren kommen Elke und Wolfgang Klotz mit ihrer mobilen Obstpresse hierher, damit die Ingersheimer ihre Äpfel von ihren Streuobstwiesen zu Saft verarbeiten lassen können. „Dieses Jahr ist es ein bisschen weniger als sonst, es war kein gutes Apfeljahr“, meint Wolfgang Klotz. Anfangs wären es noch die klassischen „Stücklesbesitzer“ gewesen, inzwischen kommen „sehr viele junge Familien und Mitbürger quer durch alle sozialen Schichten.“ Seine Frau Elke ergänzt: „Gerade die Besitzer von kleinen Streuobstwiesen kommen und machen hier ihren Saft als Eigenbedarf für das ganze Jahr.“ Die reifen Äpfel werden gewaschen, gemahlen und gepresst und nach kurzer Erhitzung auf 78°C in die fünf Liter fassende Bag-In-Box gefüllt, die einen lebensmittelechten Innenbeutel mit Zapfhahn enthält. Der naturtrübe Saft ist ungeöffnet zirka eineinhalb Jahre haltbar, nach Anbruch gekühlt noch zwei bis drei Monate. Man kann auch den unerhitzten, frischen Saft in eigene Behälter zum Direktverbrauch oder zur Weiterverarbeitung als Most abfüllen lassen. Aline Stäcker aus Ingersheim verwertet die Äpfel von einem Grundstück ihres Nachbarn, der sich aus Altersgründen nicht mehr darum kümmern kann. „Die Kinder lieben den Saft, der schmeckt ihnen besser als der von Markenprodukten.“ Von Anfang an dabei sind auch Karl Seitz und Susanne Mink-Neufeld. Sie schätzen, dass man „weiß, was in dem Saft drinsteckt und woher er kommt.“ Der so genannte Trester, die festen Rückstände, die nach dem Auspressen übrigbleiben, wird kompostiert oder als Futterzusatz für Schafe und Kühe verwendet.

Die Idee zur mobilen Obstpresse kam Wolfgang Klotz vor gut zehn Jahren, als die Preise für Mostobst in den Keller fielen, und er beschloss, seinen eigenen Saft zu pressen. In Zusammenarbeit mit der „Grünen Nachbarschaft“, die mit der Aktion der mobilen Obstpresse den Erhalt wertvoller Streuobstwiesen fördern und unterstützen will, beteiligen sich im Landkreis Ludwigsburg außer Ingersheim auch Bietigheim-Bissingen und Tamm. „Es werden immer mehr Leute, die das Angebot nutzen“, so Gabriele Heusel-Voraus, Geschäftsführerin der Geschäftsstelle Grüne Nachbarschaft in Ludwigsburg. „Letztes Jahr hatten wir ein Mastjahr mit insgesamt 37.000 Litern Saftproduktion, dieses Jahr wird es allerdings weniger sein.“

Von September bis November ist die mobile Obstpresse in den Kommunen unterwegs, die Termine werden im Amtsblatt veröffentlicht. Auch Schulklassen oder Kindergartengruppen können vorbeikommen. „Die ersten Schulkinder kommen heute noch als Erwachsene und lassen hier ihren Saft abfüllen“, freut sich Wolfgang Klotz. Diese treuen Stammkunden seien auch ein „Zeichen für Nachhaltigkeit“ im Umgang mit wertvollen Lebensmitteln.

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