Schon seit einigen Wochen hatte es unter denjenigen, die die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Kinderheimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal umsetzen sollten, kräftig rumort. Nun ist es endgültig zum Bruch gekommen: Das Team um die Professorin Mechthild Wolff hat seinen Rückzug erklärt. Grund sei die von einigen Heimopfern "geäußerte klare Misstrauensbekundung gegenüber Frau Professor Wolff und die Kritik an unserem Vorhaben", heißt es in einer Mitteilung. Ohne die Betroffenen aber sei die Aufarbeitung nicht möglich.

Bei diesen sorgte die Ankündigung für Erleichterung: Erstmals habe man es geschafft, "die Täterorganisation in die Schranken zu weisen", so Detlev Zander vom Netzwerk Betroffenenforum. Er hatte mit seinen Schilderungen über erlebten sexuellen Missbrauch in den Sechziger und Siebziger Jahren den Stein im Frühsommer 2014 überhaupt erst ins Rollen gebracht.

Zander hatte im Februar nicht nur harte Vorwürfe gegenüber der Brüdergemeinde, sondern auch gegen Mechthild Wolff erhoben. Sie sei von der Brüdergemeinde abhängig - eine zweite Opfergruppe hatte ähnliche Vorwürfe schon früher geäußert -, Betroffenenvertreter seien nur auf medialen Druck in die Gremien zur Vorbereitung der Aufarbeitung berufen worden. Zu viel sei zuletzt ohne die Betroffenen entschieden worden. Im Januar 2015 hatten sich die in der Interessengemeinschaft Heimopfer zusammengeschlossen und die Brüdergemeinde auf die von den Korntalern vorgeschlagene Wolff als Leiterin verständigt.

Zander hatte stattdessen jüngst den Regensburge Anwalts Ulrich Weber ins Spiel gebracht, der den Missbrauchsskandal bei den Domspatzen aufklärt. Das Betroffenenforum will nun der Brüdergemeinde schnell Gespräche anbieten, damit es weitergehen könne. Die Historie müsse beleuchtet werden, aber zunächst das Ausmaß auf den Tisch - wie es auch Weber mache. Es will auch "Spenden von der Täterorganisation einholen", zumal sich die Brüdergemeinde weiter nicht an finanzielle Zusagen halte.