Kornwestheim Messerstecher kam nicht zum Prozess: Verteidigerstreit im Totschlagprozess

BERNHARD WINCKLER 27.06.2013
Der Prozess vor dem Landgericht gegen den 37-Jährigen, der vor seiner Kornwestheimer Wohnungstüre einen anderen Mann mit Messerstichen in den Kopf zu töten versucht haben soll, verzögert sich weiter.

Die Richter der Schwurgerichtskammer haben gegen den 37-Jährigen nun einen Haftbefehl erlassen. Er soll sich mit schweren Kopfverletzungen im Ludwigsburger Klinikum befinden. Das Verfahren vor der 9. Großen Strafkammer scheint indes nach sechswöchiger Verhandlungsdauer inzwischen zu einem Kleinkrieg zwischen dem neuen Verteidiger des Angeklagten und der zweiten Verteidigerin zu werden. Der Angeklagte selbst hat bis jetzt bereits mehrere Anwälte verschlissen und soll nach Aussage seiner ersten Pflichtverteidigerin, der Heilbronner Anwältin Anke Stiefel-Bechdolf, im Laufe des Verfahrens diese sogar in einem Telefonat bedroht haben, was er allerdings bestreitet.

Am letzten Prozesstag erschien er erst nach 15-stündiger Wartezeit und hatte Zahnschmerzen und einen angeblichen Überfall gegen sich selbst als Grund geltend gemacht. Daraufhin legte die Verteidigerin ihr Mandat nieder und beantragte ihre Entlassung aus dem Prozess. Der Antrag wurde abgelehnt. Dann erschien der Angeklagte mit einem neuen Verteidiger, der das Gericht mit Beweisanträgen bombardierte. Sein Mandant sei unschuldig und sehe sich als Opfer, weil er an jenem 20. Oktober plötzlich einem Mann vor seiner Wohnungstüre vorfand, der ihn mit einem Messer angegriffen habe und er sich nur gewehrt hätte. Es läge somit Notwehr vor. Schwer verletzt wurde allerdings dieser Angreifer.

Gestern stellte sein neuer Verteidiger gegen die Strafkammer einen Befangenheitsantrag, mit der Begründung, man habe wichtige Beweismittel abgelehnt. Der Antrag wurde als unbegründet abgewiesen. Danach beschuldigte der Verteidiger die neben ihm sitzende Verteidigerin, sie habe als Pflichtanwältin verbotenerweise von dem Angeklagten ein zusätzliches Honorar von 5.500 Euro gefordert.

Für die Richter ist der Verteidigerkrieg unverständlich. Sie lehnten elf Anträge des neuen Verteidigers ab. Sie lehnten aber auch den Antrag von Stiefel-Bechdolf ab, endlich aus dem Verfahren ausscheiden zu können. Man benötige sie als "Sicherungsverteidigerin", falls der neuen Anwalt des Angeklagten ebenfalls irgendwann hinschmeißt.