Gewalt Messerangriffe: Pfefferspray im Notfall erlaubt

Ein Mann am Bietigheimer Bahnhof hält heimlich ein Messer in seiner Hand. Glücklicherweise ist das Bildmotiv eine nachgestellte Szene und entspricht nicht der Realität. Doch immer wieder setzen Täter Messer als Waffe ein.
Ein Mann am Bietigheimer Bahnhof hält heimlich ein Messer in seiner Hand. Glücklicherweise ist das Bildmotiv eine nachgestellte Szene und entspricht nicht der Realität. Doch immer wieder setzen Täter Messer als Waffe ein. © Foto: Kalb Martin
Von Ifigenia Stogios 19.06.2018

Mit einem Messer bedroht oder gar verletzt zu werden gleicht einem Krimi: Schon allein der Gedanke löst Angst aus. Doch solche Angriffe kommen nicht nur in Drehbüchern vor, sondern auch im wahren Leben.

Das beweisen zahlreiche Beispiele aus dem Landkreis. Am 13. August letzten Jahres kam es in einer Shisha-Bar in Bietigheim zu einem Messerangriff. Am 23. Januar attackierte eine 24-Jährige den Liebhaber ihrer Freundin mit Messerstichen. Ende Mai hat sich ein 24-Jähriger selber eine Stichverletzung zugefügt. Die BZ berichtete über alle Fälle. Der aktuellste Fall passierte am Sonntag im Parkhaus des Ludwigsburger Krankenhauses (siehe unten). Ein Unbekannter bedrohte eine 71-Jährige und griff nach ihrer Handtasche. Die Frau ließ sich nicht abschrecken und gab nicht gleich auf, doch letztendlich kam der Mann mit dem Geld davon.

Aber wie kann sich ein Opfer bei solchen Überfällen selbst schützen? Laut Polizeipräsidium Ludwigsburg sei es ein Fehler sich vom Angreifer provozieren zu lassen, Diskussionen und Beleidigungen sollten daher vermieden werden. Oftmals helfe schon ein lautes Wort, um den Täter zu stoppen, so die Polizei weiter. Doch im Fall der 71-jährigen Seniorin, die durch Hupen versucht hat, auf sich aufmerksam zu machen, half das nicht. Eine weitere Methode, um einem Angreifer zu entkommen sei Passanten, sofern welche da sind, gezielt anzusprechen. Durch Sätze wie: „Sie im roten Pulli, bitte rufen Sie die Polizei“, werden Vorbeilaufende eher aufmerksam.

Der Einsatz von Hilfsmitteln

Zwar können bestimme Verhaltensweisen hilfreich sein, doch trotzdem fragt sich manch einer,  welche Hilfsmittel bei Überfällen erlaubt sind. Der Zugriff auf Pfefferspray zum Beispiel ist recht leicht.

Bei den Sprühgeräten handelt es sich allerdings um Tierabwehrsprays, die nur zur Anwendung gegen Tiere bestimmt sind. Diese Sprays werden vom Waffengesetz nicht erfasst, weshalb auch keine Zulassung erforderlich ist, heißt es seitens der Polizei. Somit sind der Erwerb, der Besitz sowie das Führen ohne Altersbegrenzung frei. Setzt es jemand gegen Menschen ein, drohen ihm Anzeige und Strafe.

Jedoch gelten auch Ausnahmesituationen. Wenn sich Menschen in Notwehr befinden oder in einer lebensbedrohlicher Situation ist Pfefferspray kein Tabu mehr. Andernfalls erfüllt der Einsatz den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung, die mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft wird. Zu beachten sind beim Einsatz eines Reizstoffsprühgeräts die eigene Position, das Umfeld und die Witterungsverhältnisse, da etwaiger Wind den Ausstoß möglicherweise dem Sprühenden oder gar Unbeteiligten ins Gesicht wehen kann. Dies macht die Verwendung eines solchen Geräts nicht ungefährlich.

Erlaubnisfreie Waffen wie beispielsweise Schreckschusswaffen können von Personen über 18 Jahren frei erworben werden, sofern sie durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zugelassen und mit entsprechendem Prüfzeichen versehen wurden. Für das Führen dieser erlaubnisfreien Waffen in der Öffentlichkeit ist ein „Kleiner Waffenschein“ erforderlich. Damit die Polizei schneller vor Ort sein kann, wenn ein Überfall wie etwa ein Messerangriff passiert, gibt es sogenannte „Notfall-Apps“. Das Angebot der Apps findet Tatjana Wimmer vom Polizeipräsidium Ludwigsburg allerdings ziemlich „unübersichtlich“, daher rät sie eher davon ab.

Bei den Messerangriffen handelt es sich laut Wimmer meist „um Messerangriffe zwischen Menschen, die sich bereits kennen und schon in der Vergangenheit Auseinandersetzungen hatten.“ Messerangriffe gegen Polizisten gab es bisher keine.

Das Profil von Messerstechern und Zahlen der Angriffe im Landkreis

Laut Polizeiangaben wurden im Jahr 2017 im Landkreis Ludwigsburg 142 Straftaten begangen, die unter den Rohheitsdelikten mit Messer (Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit) fallen. 2016 waren es 143. Während es im Jahr 2013 noch 105 waren, gingen sie 2014 auf 94 zurück. Betrachtet man die Polizeistatistik ab 2015, ist ein Anstieg zu sehen. Damals waren es noch 118, 2016 dann 143, und 2017, wie erwähnt, ein Angriff weniger.

Bei den Tatverdächtigen dieser Angriffe ist die größte Gruppe, die der Erwachsenen im Alter ab 21 Jahren, mit 92 Personen. 83 davon sind männlich und gerade einmal neun weiblich.

Die zweitgrößte Gruppe sind die Heranwachsenden (17) mit 16 männlichen Personen und einer weiblichen. Gefolgt von den Jugendlichen (11), die allesamt männlichen Geschlechts sind, 7 Täter waren sogar Kinder. Davon 6 Jungs und 1 Mädchen.

Die meisten Täter sind deutsche Staatsbürger (53),teilt die Polizei mit,  gefolgt von 14 Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit. ifi

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