Hartmut Herrigel weiß: Wahrscheinlich wird er morgen wieder mehr zu tun haben. Wann immer in der Zeitung Artikel über Hundeköder veröffentlicht werden, schlagen beim Polizeihauptkommissar in Bietigheim-Bissingen urplötzlich mehr Meldungen über verdächtige Funde auf. Soziale Netzwerke wie Facebook und Internetseiten wie Giftköder-Radar tun ihr Übriges. Hartmut Herrigel hat selbst Hunde, kann die Sorgen der Menschen nachvollziehen: "Dass die Meldungen derzeit etwas überhand nehmen, liegt daran, dass die Leute sensibler sind."

Zum Vergleich hat er Zahlen. Bei seinem Fachbereich "Gewerbe und Umwelt" sind 2013 insgesamt 13 Tierschutzfälle eingegangen, fünfmal drehte es sich um vermeintliche Giftköder. In allen fünf Fällen wurde aber kein Gift gefunden. 2014 sind über Hartmut Herrigels Tisch bereits 19 Tierschutzfälle gegangen, neunmal wurden Köder untersucht. Und einmal wurde tatsächlich Gift gefunden: im Fall der zwei verendeten Hunde in der Bietigheimer Eisenbahnstraße im Mai.

"Es ist okay, dass die Leute mit offenen Augen durch die Welt gehen. Lieber komme ich einmal zu viel als zu wenig", findet der Experte. Oftmals sei es aber so, dass Leute regelrecht panisch reagierten. So wurden Mitglieder des sechsköpfigen Bereichs "Gewerbe und Umwelt" neulich nach Unterriexingen gerufen, weil dort jemand Gift erkannt haben wollte. Ergebnis: Es waren Kirschkerne, die vermutlich ein Reh ausgeschieden hat.

Hartmut Herrigel weiß, dass die Ängste der Hundehalter in vielen Fällen bewusst geschürt werden. So sei im Bereich der Bissinger Bahnhofstraße unlängst an mehreren Stellen einwandfreies Fleisch ausgelegt worden - und das komme häufiger vor als man denkt. "Das ist die psychologische Keule. Da will jemand die Hundehalter verrückt machen, damit sie dort nicht mehr Gassi gehen", glaubt der Polizist. Oftmals seien Fotos, die bei Facebook und Co. kursierten, schlichtweg gefälscht. So habe sich das Bild einer mit Reißzwecken gespickten Leberwurst, das Anfang März in Bönnigheim entstanden sein soll, als Fake erwiesen, berichtet Hartmut Herrigel. Er glaubt, dass sich in vielen Fällen Leute wichtig machen wollen. Andere möchten Angst und Schrecken verbreiten.

Was der Polizeihauptkommissar Tierfreunden rät? "Sie sollen die Hinterlassenschaften ihrer Hunde mitnehmen. Das ist das Erste, damit keine Streitereien aufkommen." Werde tatsächlich etwas Verdächtiges gefunden, sollten sich die Hundehalter die Situation anschauen. Ist das Teil ausgelegt oder vermutlich nur heruntergefallen? Auch das Fleisch oder die Wurst selbst geben Hinweise. "Wenn Gift im Spiel ist, ist das Fleisch in der Regel verfärbt. Rattengift hinterlässt einen bläulichen Ton. Oft kann man auch einen stechenden, mandelartigen Geruch feststellen", erklärt Hartmut Herrigel. Und, man könne es nicht oft genug sagen: "Im Zweifelsfall die Polizei rufen."