Bildung Mehr Schulung für Medienkompetenz

Kindergärten im Kreis setzen auf eine dosierte Mediennutzung. Hier schaut sich ein Junge vor dem Kinderhaus in Untermberg schaut sich auf dem Notebook einen Vulkanausbruch an.
Kindergärten im Kreis setzen auf eine dosierte Mediennutzung. Hier schaut sich ein Junge vor dem Kinderhaus in Untermberg schaut sich auf dem Notebook einen Vulkanausbruch an. © Foto: Martin Kalb
Von Bettina Nowakowski 23.07.2018

Wie entsteht ein Vulkan? Wie wird aus einer Raupe ein Schmetterling? Diese kindgerechten Fragen lassen sich nicht nur mit Bilderbüchern erklären, sondern anschaulich erlebbar am Computer „googeln“. In immer mehr Kindergärten und Kindertagesstätten werden deshalb die vorhandenen Laptops und Computer auch für den Umgang mit digitalen Medien bei den Kindern eingesetzt. Was in den Familien oft nur „konsumiert“ wird, findet in den Kitas pädagogisch unter Anleitung statt, sagen Beteiligte aus dem Kreis.

Ständige Begleitung

„Die Erzieherinnen und Erzieher haben eine hohe Verantwortung bei der Vermittlung von Medienkompetenz“, weiß Simone Schäfer, Leiterin im Kinderhaus Mobile mit Familienzentrum in Großsachsenheim. Sie unterscheidet ganz klar zwischen drei Faktoren: „Recherche, Kommunikation und Spiel“. Man müsse die digitalen Medien sinnvoll einsetzen und dabei auf jeden Fall das Kind immer begleiten. „Uns geht es um Aufklärungsarbeit“, meint Simone Schäfer – vor allem auch den Erziehungsberechtigten gegenüber: „Eltern haben eine ganz wichtige Vorbildfunktion.“ Bewusst verzichtet werde in der Kita auf Tablets. „Das Wegwischen ist nach diversen Studien in diesem Alter nicht sinnvoll einzusetzen“, so Simone Schäfer. Auch Smartphones und Handys kommen nicht zum Einsatz. „Kinder nutzen die Technik, aber zielgerichtet“, so ihre Erfahrung. Erst in den letzten beiden Kindergartenjahren werde das Interesse an digitalen Medien größer.

Dass Kinder Erfahrung im Umgang mit digitalen Medien von zu Hause in die Kitas mitbringen, sei durchaus bemerkbar. Die Kinder erzählen oder spielen auch Szenen  einschlägiger Fernsehsendungen oder Videospiele nach. „Da muss man dann schauen, wie man das Erlebte auffängt, zum Beispiel, wenn Gewaltszenen dabei sind, da reagiert jedes Kind anders drauf.“

Was es auf jeden Fall brauche, sei viel „Schulung zur Medienkompetenz und Vermittlung für Fachkräfte und Eltern“. In Kooperation mit der Stadtbücherei Sachsenheim werde da schon viel getan, mit kostenlosen Veranstaltungen zum Thema „Umgang mit Medien“ für die Eltern. Es ginge nicht darum, digitale Medien zu „verteufeln“, findet Simone Schäfer, sondern immer um die Frage: Was macht das mit dem Kind? „Alles in Maßen, nicht in Massen“, ist ihre Devise.

Auch in Bietigheim-Bissingen sind digitale Medien ein Thema. Wenn Fragen auftauchen, die gegoogelt werden müssen, wird das laut Stadtsprecherin Anette Hochmuth auch gemeinsam mit den Kindern gemacht. Einzelne Kitas haben auch so genannte Kinder-PCs, auf denen kindgerechte Programme installiert sind. Die Kinder können einen Computerführerschein machen. Das bedeutet, sie können ein Gerät ein- und ausschalten und kennen die wichtigsten Tastenfunktionen. Mit diesen Kenntnissen können sie zum Beispiel ein Schreibprogramm bedienen. Smartphones sind in den Kindergärten der Stadt nicht erlaubt.

Zuerst Kompetenz schaffen

Der Empfehlung des Bundesfamilienministeriums, Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren maximal 30 Minuten Medienkonsum am Tag zu erlauben, kann Beate Dürl, Leiterin für Fachberatung an Kindergärten in Ingersheim, nur zustimmen. Digitale Medien werden in den Kitas noch nicht eingesetzt, mit gutem Grund: „Wir sehen die Wichtigkeit des Themas, aber wir wollen erst gründliche Schulungen für die Fachkräfte und auch für die Eltern zur Medienkompetenz anbieten.“ Ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien sei sehr wichtig, könne und solle aber das kindgerechte „Lernen mit allen Sinnen“ nicht ersetzen.

Überschrift Infokasten einzeilig

Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz

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