Kreis Ludwigsburg Material aus Atomanlagen sorgt für Ärger

Kreis Ludwigsburg / BZ 24.08.2015
Wie jetzt bekannt geworden ist, wurde auf den Kreisdeponien schon seit 2008 schwach radioaktiv belastetes Material angenommen. Die Grünen-Fraktion verlangt Aufklärung.

Sogenannter "freigemessener" Bauschutt, dessen Strahlung einen Bruchteil der natürlichen Strahlenexposition beträgt, wird auf den Deponien des Landkreises in Schwieberdingen und Horrheim nicht erst ab 2017 mit dem Rückbau des Atomkraftwerks Neckarwestheim eingelagert werden. Wie jetzt bekanntgeworden ist, sollen bereits seit 2008 solche Abfälle in einer Größenordnung von 50 Tonnen aus dem Rückbau der Kernforschungsanlage und der Wiederaufbereitungsanlage in Karlsruhe hierher gelangt sein. Bei der AVL war dazu am Freitag von den Verantwortlichen niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Eine erste Reaktion seitens der Kreisräte gibt es aber bereits. Die Grünen beklagen in einer Mitteilung, dass ihre Vertreter im Aufsichtsrat und im Ausschuss für Umwelt und Technik trotz wiederholter Nachfragen nicht informiert worden seien. Die Annahme von schwach radioaktivem Material auf den Deponien sei durch die jeweils veröffentlichten Planfeststellungsbeschlüsse nicht gedeckt, kritisieren die Grünen. Die Nachricht habe deshalb für Empörung gesorgt.

Der Fraktionsvorsitzende Dr. Peter-Michael Valet aus Asperg wird mit den Worten zitiert: "Wo bleibt die viel beschworene Transparenz über die Geschäfte - auch über Altgeschäfte - der AVL gegenüber Öffentlichkeit und Aufsichtsrat, wie soll so Vertrauen geschaffen werden?" Das Vertrauen in der Öffentlichkeit sei das wichtigste Gut für einen Deponiebetreiber beim immer wieder zweifelhaften Geschäft mit Abfällen, so Valet weiter, "deshalb bestehen wir auch ständig auf volle Transparenz bei allen Aktivitäten der AVL". Die Grünen kündigen deshalb an, vom Aufsichtsratsvorsitzenden der AVL, Landrat Dr. Rainer Haas, eine schonungslose Aufklärung einfordern zu wollen.