Themen in diesem Artikel

BZ
Landkreis Ludwigsburg / Frank Ruppert  Uhr

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Entwurf des Masernschutzgesetzes beschlossen. Es sieht unter anderem vor, dass alle Kinder, die in Kitas und Schulen aufgenommen werden wollen, die von der Impfkomission vorgesehenen Impfungen nachweisen müssen. Auch Lehrer und Erzieher müssen dies tun.

Die BZ fragte in der Region welche Auswirkungen das Gesetz hat. Das Ziel ist eine flächendeckende Impfquote von 95 Prozent bei der zweiten Impfung zu erreichen. Dann wäre die Masernerkrankung eingedämmt. Mit 64 Prozent liegt Freudental ganz am Ende der Gemeinden im Landkreis was die Impfquote angeht. „Vielleicht hilft die Pflicht etwas, aber ich bin eigentlich gegen gesetzliche Pflichten und für mehr Aufklärung“, sagt Alexander Fleig, Bürgermeister von Freudental.

Als er vor einigen Monaten von der schlechten Impfquote in seiner Gemeinde gehört habe, sei er erschrocken. „Bei der ersten Impfung liegt unsere Quote aber im Schnitt des gesamten Landkreises“, sagt Fleig. Daher vermute er, dass man es in Freudental nicht mit Impfgegner zu tun habe, sondern vielleicht eher mit Ärzten, die eine spätere zweite Impfung empfehlen. „Die Ergebnisse stammen ja von der Einschulungsuntersuchung 2017/18. Das kann bei der nächsten Erhebung schon anders aussehen“, so Fleig weiter.

Am Wochenende startete in Vaihingen und Ludwigsburg die Modellkampagne „Stoppt Masern!“ bei der mit einem Infobus über alles rund um das Thema Masern aufgeklärt wird. „Wir werden nach den Ferien gemeinsam mit dem Landratsamt bei uns an Schule und Kita über die Impfung informieren“, sagt Fleig.

Entscheidung betrifft andere

Die Informationsveranstaltung schon hinter sich hat sein Kollege Gerd Maisch, OB in Vaihingen. „Wir haben auch deshalb bei uns angefangen, weil wir mit 73,9 Prozent eine eher schlechte Impfquote haben“, sagt Maisch. Er ist trotz der Aufklärungsarbeit, die er sehr befürwortet, auch für die Einführung einer gesetzlichen Impflicht. Es gehe bei der Masernimpfung nicht nur um die eigene Gesundheit, deshalb dürfe man nicht nur alleine entscheiden. Es betreffe eben auch Mitmenschen, die etwa noch zu jung sind, um geimpft zu werden oder zu alt. Und diese würden dadurch auch geschützt. Warum in Vaihingen die Quote so schlecht ist, ist für Maisch auch nicht nachvollziehbar. Da gebe es wohl mehrere Faktoren, einige Impfgegner, die dafür werben, oder Ärzte, die eher kritisch den Empfehlungen der Impfkommission gegenüber eingestellt sind, vermutet der OB.

Auch Sachsenheim hat eine Impfquote von unter 90 Prozent, ganz genau 80,2 Prozent. Dort war bislang ebenso wie in Bietigheim-Bissingen (94,1) nur Pflicht, dass Eltern mit ihren Kindern eine Impfberatung wahrnehmen mussten, um in die Kita aufgenommen zu werden. Auch Erzieherinnen mussten nicht geimpft sein, es wurde ihnen aber empfohlen, teilen die beiden Stadtverwaltungen mit. Nicole Raichle, Sprecherin von Sachsenheim, hält es für möglich, dass sich Impfgegner durch die Pflicht nun benachteiligt sehen: „Wenn es eine klare Gesetzeslage gibt, hat die Stadt aber keine Spielräume.“

Das Landratsamt, bei dem das Gesundheitsamt angesiedelt ist,  teilt auf BZ-Anfrage mit, dass man aus fachlicher Sicht das Gesetz begrüße. Zur konkreten Umsetzung, insbesondere zu den Aufgaben der Gesundheitsbehörden, könne man allerdings noch nichts sagen.

Das Ziel ist eine Impfquote von 95 Prozent im Landkreis Ludwigsburg

Die STIKO (ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) empfiehlt die Erstimpfung gegen Masern zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat und die Zweitimpfung, mindestens vier Wochen später, zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat vornehmen zu lassen. Für einen vollständigen Schutz sind beide Masernimpfungen nötig. Um Ausbrüche der Masern zu verhindern, bedarf es laut Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr einer Durchimpfung von mindestens 95 Prozent mit zwei Dosen des Masernimpfstoffs.

Im Landkreis Ludwigsburg haben nach den aktuellen Zahlen von 2017/18 mit drei Jahren nur 88,10 Prozent der Kinder beide Impfungen erhalten. Neben Freudental (64 Prozent) und Vaihingen (73,9) ist unter anderem auch in Ingersheim (85,2) und Sachsenheim (80,2) die Impfquote deutlich zu niedrig. Bietigheimer-Bissingen (94,1) und Bönnigheim (93,1) sind knapp unter der Vorgabe.

Am vergangenen Wochenende startete deshalb die kreisweiten Kampagne „Stoppt Masern!“ Ziel ist es, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und über die Masern aufzuklären. Im Rahmen der Kampagne, die für ein bis zwei Jahre geplant ist, sollen verschiedene Zielgruppen unter anderem mit einem speziellen Infobus angesprochen werden. bz