Ingersheim Mäßiges Interesse am Flüchtlingsheim

Ingersheim / Günther Jungnickl 27.07.2018

Seitdem im Dezember 2017 mit dem Bau der Unterkunft für anerkannte oder geduldete Asylbewerber begonnen worden ist, hat sich am Gröninger Weg eine Menge getan. Die vorerst drei Häuser sind fast fertiggestellt und sollen noch 2018 Bürgerkriegsflüchtlingen eine neue Heimat bieten. Im September soll jedoch auch den Bürgern Ingersheims Gelegenheit geboten werden, einen Blick in die Neubauten zu werfen. Dies hatte der frühere Gemeinderat Albrecht Spahlinger am Mittwoch angeregt und Bürgermeister Volker Godel auch so versprochen. Denn dem Schultes und seinen Gemeinderäten liegt alles daran, dass auch die Ingersheimer zur Kenntnis nehmen, dass es zu den „Pflichtaufgaben einer Gemeinde“ (Godel) gehört, Obdachlose vernünftig unterzubringen. Deshalb war auch zu dieser Bürgerversammlung eingeladen worden – doch in der reichlich bestuhlten SKV-Halle verloren sich nur etwa 50 Menschen.

Podium gut besetzt

Dafür war das Podium reichlich besetzt mit dem Bürgermeister, der Gemeindekämmerin Kathrin Eberle und ihrem Stellvertreter Harald Schnabel, Architekt Gerald Kofink aus Sachsenheim (der die Häuser entworfen hat und den Bau auch betreut) sowie dem im Landratsamt Ludwigsburg für Asylbewerber zuständigen Fachbereichsleiter Martin Schliereke und Sozialarbeiterin Melissa Schneider. Letztere wird künftig auch ein Büro in dem Gemeinschaftshaus am Gröninger Weg haben, weil sie die Flüchtlinge dort betreut.

Bürgermeister Godel erinnerte noch einmal daran, wie sehr die Gemeindeverwaltung sich um andere Unterbringungsmöglichkeiten bemüht habe – doch meist mit nur geringem Erfolg. Deshalb fasste der Gemeinderat im September 2017 den Baubeschluss für insgesamt sechs Gebäude auf dem Gelände der früheren Gärtnerei Cramer-Wanner am Gröninger Weg für etwa 100 Asylbewerber. Vorerst werden für 2,6 Millionen Euro lediglich drei Gebäude erreichtet, die Architekt Kofink vorstellte. Zwei Wohngebäude für maximal 50 Menschen (Familien und auch Einzelpersonen) sowie ein Gemeinschaftsgebäude, in dem sich auch die Büros vom Hausmeister und von der Sozialarbeiterin sowie der Waschmaschinenraum befinden. Bürgermeister Godel („Wir müssen natürlich erst einmal dieses viele Geld in die Hand nehmen“) rechnet fest damit, dass sich die Summe in etwa zehn Jahren zu 50 Prozent und in 25 Jahren hundertprozentig amortisiert haben, weil das Landratsamt Ludwigsburg die Unterhaltskosten für die Anschlussunterbringung vergütet. Laut Harald Schnabel werden diese Häuser zwar möglichst mit Gebrauchtmöbeln, aber ordentlich eingerichtet. Die Waschmaschinen stelle das Landratsamt zur Verfügung. Kämmerin Eberle bezifferte auf Nachfrage die jährlichen Kosten für die neue Unterkunft auf rund 240 000 Euro, die jedoch durch die Kostenerstattung gedeckt seien.

Anerkannte und Geduldete

Fachbereichsleiter Schliereke erläuterte, dass es sich bei den künftigen Bewohnern der Unterkunft sowohl um anerkannte Flüchtlinge handelt, die das Asylverfahren hinter sich haben, wie auch um geduldete Asylbewerber ohne Bleiberecht oder solche, die ein Widerspruchs- oder gar ein Klageverfahren angestrengt haben. In der Diskussionsrunde wurde er unter anderem nach dem Stand des befürchteten Familiennachzugs gefragt. „Das hat sich als Luftnummer entpuppt“, antwortete er, denn im Jahr 2017 seien lediglich 170 Familienangehörige im Kreis registriert worden. Derweil darf sich Sozialarbeiterin Melissa Schneider auf die Zusammenarbeit mit dem frischgebackenen Hausmeister Hosib Minas freuen. Der gebürtige Armenier stellte sich in dieser Versammlung vor, spricht nach eigenen Angaben rund ein Dutzend Sprachen (von Kurdisch bis Französisch) und könnte ihr bei Bedarf als Übersetzer wertvolle Dienste leisten.

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