Verhandlung Machtbeweis mit Äxten und Holzknüppeln

Stuttgart/Ludwigsburg.  / Von Bernd Winckler 17.04.2018

Wieder kreisen Polizeihelikopter über der Stammheimer Vollzugsanstalt,  wieder gibt es umfangreiche Einlasskontrollen. Doch auch an diesem zweiten Verhandlungstag gegen acht mutmaßlich gewalttätige Mitglieder der nationaltürkischen Rockergruppe Osmanen Germania BC blieb die befürchtete Straßenschlacht vor dem Gebäude zwischen den Germanen und den kurdischen Gegnern aus, obwohl beide Gruppen reichlich im Zuhörertrakt des Prozesssaales vertreten waren.

Anträge abgelehnt

Am zweiten Verhandlungstag am Montag ordnete der Gerichtsvorsitzende zunächst einmal an, dass die gestellten Aussetzungsanträge einiger der 16 Verteidiger abgelehnt wurden. Abgelehnt wurde auch der Antrag, Oberstaatsanwalt Dr. Michael Wahl aus dem Verfahren zu nehmen und durch einen anderen Staatsanwalt zu ersetzen.

Mehr Einblicke in eine der angeklagten Brutalo-Aktionen der acht Männer vom 21. November 2016 in der Ludwigsburger Karlstraße gab es an diesem zweiten Prozesstag. Es ging um eine Art Abstrafung gegen ein Mitglied der kurdischen Bahoz (Sturm). An jenem Novemberabend habe die Gruppe in Ludwigsburg eine Art der besonderen Machtdemonstration verübt, wie der Staatsanwalt erklärte. Das Osmanen-Chapter Stuttgart sei mit 22 Mann durch Ludwigsburg gezogen, auf der Suche nach Mitgliedern des kurdischen Feindes.

Mit Baseballschlägern und mit Äxten wurde auf den Mann eingeschlagen. Auch dann noch, als er bereits schwer verletzt am Boden lag. Laut Staatsanwalt wäre der Mann zu Tode gekommen, wenn die Polizei nicht rechtzeitig erschienen wäre. Die  Täter sollen laut den Satz gerufen haben: „Er darf nicht wieder aufstehen!“

Von der Verteidigung wurden neue Anträge gestellt. Wieder wurde gefordert, den Oberstaatsanwalt aus dem Verfahren zu entfernen, weil er in einer Erklärung gelogen habe. Anwaltlich gerügt wurde auch, dass die Verteidiger Akten nicht oder zu spät ausgehändigt bekamen. Das Gericht haben die Verteidiger regelrecht überrascht. „Ich versuche die Hauptverhandlung so zu führen, dass keine Überraschungen auftreten“, konterte Kammervorsitzender Joachim Holzhausen. Über die neuen Anträge hat das Gericht noch nicht entschieden.

Mit der offiziellen Beweisaufnahme will das Gericht am Mittwoch beginnen.