Bewohner von Seniorenheimen dürfen ab dieser Woche wieder Besuch bekommen, denn das Land hat das generelle Besuchsverbot bis 15. Juni zwar beibehalten, aber gelockert. Die Heime handhaben unterschiedlich, ab wann und unter welchen Vorausetzungen und wie oft sie Besuche zulassen.

Alexandra Heizereder von der Zentrale der Evangelischen Heimstiftung in Stuttgart weiß, dass Besucher und Bewohner quasi in den Startlöchern stehen und die Heime mit Anfragen überrollen. „Doch, wenn wir die Öffnung verantwortungsbewusst machen wollen, brauchen wir diese Woche noch Zeit zur Vorbereitung“, sagt sie. Jedes einzelne Heim, so Heizereder, wird je nach Örtlichkeit und räumlichen Voraussetzungen eigene Maßnahmen treffen.

Ab dem heutigen Mittwoch sind im Ingersheimer Karl-Ehmer-Stift, das zur Evangelischen Heimstiftung gehört, laut Hausdirektorin Kerstin Wulle Besuche erlaubt. Es wurde eine Telefonnummer eingerichtet, über die die Angehörigen sich anmelden können. Fünf Besuchszeiten sind möglich. Die Besuche finden im Karl-Ehmer-Stift in den Bewohnerzimmern statt. Die Besucher bekommen einen Mund-Nasen-Schutz, Handschuhe und einen Schutzkittel, das ist im Übrigen eine obligatorische Schutzmaßnahme. Der Besucher darf eine Dreiviertelstunde bleiben. Im Karl-Ehmer-Stift dürfen gleichzeitig vier Besucher ins Haus, zwei für Bewohner des ersten Stocks, zwei in den zweiten Stock. Jeder Besucher darf zweimal in einer Woche von einer Person besucht werden. „Aber das ist ein atmendes System, das angepasst werden kann“, so Wulle. Im Moment gibt es im Stift keine infizierten Bewohner, wenn eine Infizierung eintrifft, so Wulle, müssen die Besuche zeitweise wieder ausgesetzt werden.

Totale Freude herrschte im Besigheimer Robert-Breuning-Stift laut Leiterin Elke Eckert, dass ab dem heutigen Mittwoch Besucher gestattet sind. „Bei uns wurde viel gefensterlt, wie wir sagen, es kamen Angehörige und die Bewohner ans Fenster, aber der direkte Kontakt ist viel besser“, so Eckert. „Eng getaktet“ würden die Besuche nun stattfinden, weil es eine Flut von Anfragen gab. „Wir denken, wir brauchen mindestens eine Woche, bis jeder angefragte Besuch stattfand“, sagt Eckert. Im Robert-Breuning-Stift werden pro Wohnbereich gleichzeitig drei Angehörige eingelassen. Von 9 bis 10 Uhr beispielsweise im Wohnbereich 1, von 10 bis 11 Uhr im Wohnbereich 2 und von 11 bis 12 Uhr im Wohnbereich 3. „Und am Nachmittag geht es weiter“, so Eckert. Nachdem in ihrem Haus ein Bewohner und ein Mitarbeiter sich mit Covid-19 infiziert hatten, fand eine Haustestung statt. Laut aktuellem Stand, so Elke Eckert, seien vier Bewohner und vier Mitarbeiter infiziert, aber alle ohne Symptome. Die Bewohner wurden isoliert.

Für die Kleeblatt-Heime des Landkreises, so Geschäftsführer Stefan Ebert, werde eine „Konzeption zur schrittweisen Öffnung“ veröffentlicht. Die Pflegedienstleitungen in den Häusern können den Zutritt erlauben, wenn geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden und besondere Gründe vorliegen, wie im Rahmen einer Sterbebegleitung oder wenn das strikte Besuchsverbot schwerwiegende körperliche oder seelische Konsequenzen für die Betroffenen zur Folge hätte, erklärt Ebert. Für mehr Besucher will er die Häuser nicht öffnen, „das ist zu riskant“.

„Letztendlich bestimmen die Pflegedienstleitungen vor Ort, wer Besuch bekommen darf und von wem, allerdings nur immer von ein- und derselben Person“, sagt Ebert. Es wird keine festen Besuchszeiten geben, die Angehörigen können telefonisch Termine beantragen und vereinbaren. Den Bewohnern, so Ebert, ist das Verlassen des Hauses nach wie vor verboten.

Gute Gründe für den Besuch

Gute Gründe für einen Besuch verlangt die Evangelische Altenheimat, Trägerin des Hauses Sonnenfeld in Sachsenheim nicht. Leiterin Patricia O’Rourke sagt, „wir versuchen, den Bewohnern so viele Besuche wie möglich zu erlauben, um die Kontaktlosigkeit zu verringern.“ Ab Mittwoch, 13. Mai, von 15 bis 16.45 Uhr, haben zwölf Bewohner (vier Bewohner gleichzeitig im Raum verteilt) täglich die Möglichkeit, ihre Angehörigen nacheinander in der Cafeteria des Heims zu treffen. 45 Minuten lang, immer vier Bewohner mit dem Besuch sind dann auf den Raum verteilt. Wechseln die Gruppen, wird die Cafeteria gründlich desinfiziert. Die Angehörigen müssen sich in Terminlisten eintragen.

Spaß an Whatsapp-Videos

Zwar freuen sich die Bewohner sehr auf Besuche, so O’Rourke, aber: „Den Bewohnern haben die Whatsapp-Videos ihrer Angehörigen und das Drehen von eigenen Videos sehr viel Spaß gemacht. Denn die Angehörigen haben durch die Videos mehr von ihrem Leben preisgegeben, als bei einem Besuch.“ Wie alle Heimleiter arbeitet auch sie „auf Sicht“. „Wir müssen jetzt alle paar Tage schauen, funktioniert es, können wir weitere Lockerungen zulassen oder müssen wir wegen weitere Infektionen sogar nochmal den Besuch der Angehörigen verbieten“, sagt O’Rourke.

Regeln der Öffnung der Evangelischen Heimstiftung und Kleeblatt-Heimen


Die Heime der Evangelischen Heimstiftung erlauben Besucher erst ab der kommenden Woche (11. oder 12. Mai), da jedes Heim individuell auf die gegebenen Möglichkeiten trifft, Besucher so sicher wie möglich für beide Seiten, zuzulassen, so Alexandra Heizerreder von der Zentrale der Heimstiftung in Stuttgart. Die Regeln für einen Besuch sind auf der Homepage der Heimstiftung genau beschrieben.

Das Öffnungskonzept der Evangelischen Heimstiftung sieht mehrere Stufen vor: Besuche sind laut Entscheidung der Corona-Verordnung des Landes möglich, allerdings mit Schutzausrüstung und nach Anmeldung. Der Bewohner legt zwei Besucher fest. Jeder Besuch darf nur eine Stunde dauern. Die einzelnen Einrichtungen legen die Besuchszeiten fest, genauso wie die Bedingungen.

Ab dem 25. Mai sollen erweiterte Besuchsregelungen erfolgen, mit längeren Besuchszeiten und größerer Anzahl von Besuchern, eventuell je nach Situation des Heimes und Infektionsgeschehen im Heim, auch ohne Terminvereinbarung. Interne Gruppenaktivitäten sind wieder möglich.

Ab dem 2. Juni, und bei Erfolg der vorherigen Öffnungen, können Friseure, Fußpfleger und Therapeuten wieder in das Heim, aber nur nach Terminabsprache mit der Verwaltung. Ab dem 15. Juni können Spaziergänge der Bewohner in Begleitung, gemeinsame Mittagstische oder Veranstaltungen mit externen Gästen erfolgen. Alle genauen Infos zum Öffnungskonzept sowie ein Merkblatt für Besucher gibt es online.

In den Heimen der Kleeblatt GmbH des Landkreises Ludwigsburg, so Geschäftsführer Stefan Ebert, gelten nach wie vor bis zum 16. Juni die Besuchseinschränkungen. Doch in Ausnahmefällen dürfen die Pflegedienstleitungen vor Ort Besucher von einer Person (es muss immer dieselbe sein) erlauben. Die Besucher müssen persönlich Sorge tragen. Sie müssen schriftlich bestätigen, dass sie nicht infiziert sind oder in Kontakt mit einem Infizierten waren. Besuchszeiten werden fest vereinbart, es gibt keine festgelegten Besuchszeiten. Bewohner sollen weiterhin das Haus nicht verlassen. Auch die Kleeblatt GmbH hat online ein Merkblatt verfasst, das die Bewohner und Angehörigen am Dienstag bekamen. sz

www.ev-heimstiftung.de
www.kleeblatt-ggmbh.de