Der Pleidelsheimer Mundartdichter Rolf Gerlach gehört zum Inventar der Dichtergilde im Landkreis Ludwigsburg.

In mittlerweile acht Büchern, zuletzt in „Em Paradies“, hat er Freud und Leid, die Glücksseligkeit und den knitzigen Humor der Schwaben unter die Lupe genommen, ganz so wie ein Insektenforscher seine kleinen Tierchen unter einer Lupe beobachtet.

Sprich: Rolf Gerlach schaut ganz genau hin, macht sich auf, die Schwaben zu erkunden, folgt schon seit Jahren ihren Spuren und Eigenheiten. Dabei agiert er generationsübergreifend, schont sich teilweise selbst nicht und greift auf alles zurück, was den Schwaben an sich ausmacht. Sein Viertele, sein Rostbraten, das eigene Häusle, den eigenen Garten und das eigene Auto.

Der Pleidelsheimer konserviert dabei eine Welt, die derzeit gefühlt aus den Angeln gehoben wird, ein Zustand den Gerlach – bewusst oder unbewusst – nicht aufgreift. Den Klimawandel benennt er nicht so, von der Beschreibung politischer Verwerfungen lässt er die Finger, selten bewegt er sich in seinen Gedichten und kleinen Geschichten über ein abgestecktes Terrain hinaus.

Dies mag für den Leser auf den ersten Blick etwas mit jener Engstirnigkeit zu tun haben, die den Schwaben von „Reigschmeckte“ gerne nachgesagt wird. Nur – die haben eben keine Ahnung, Rolf Gerlach könnte sie aufklären, wenn sie nur wollten. Gerlach könnte ihnen die große Welt der Schwaben zeigen, die oft im Verborgenen und Halbdunkel, etwa als Tüftler und Denker, zu genialen Höchstleistungen auflaufen. Gerlach könnte sie ein Stück weit mit dem eigentümlichen Dialekt vertraut machen, dessen Doppeldeutigkeit nur Einheimische wirklich verstehen, wenn der ansonsten schweigsame Schwabe überhaupt mal den Mund aufbringt.

So bleibt der Mundartdichter aus der Neckar- und ehemaligen Tabakgemeinde einer jener Künstler, deren Verse nach wie vor gebraucht werden. Rolf Gerlach reflektiert die eigenen Geschichten, um sie zu unseren Geschichten zu machen.