Behindertenhilfe Lieber selbstständig leben

Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth 14.06.2018

Im Landkreis leben rund 660 Erwachsene mit einer körperlichen und/oder geistigen Behinderung, die Hilfen vom Landratsamt erhalten. Dazu kommen rund 400 Kreisbürger mit einer seelischen Behinderung. Die Zahlen in der Behindertenhilfe steigen: Innerhalb von zehn Jahren sind es 200 Menschen mehr geworden, die nicht ohne Unterstützung ihren Alltag bewältigen können.

Eindeutiger Trend ist, dass immer weniger von ihnen in einer Behinderteneinrichtung leben wollen. „Die Entwicklung von ambulant vor stationär setzt sich fort“, sagt Christiane Keuter, die Sozialplanerin des Landkreises. 60 Prozent aller Antragsteller möchten trotz ihrer Behinderung selbstständig wohnen. Derzeit erhalten im Kreis 211 Menschen mit einer körperlichen und/oder geistigen Behinderung ambulante Hilfen. Nach den Prognosen werden es bis in zehn Jahren etwa 340 sein. Im Jahr 2005 hat diese Zahl noch bei 65 gelegen.

Behinderte Menschen, die allein, als Paar oder in einer Wohngruppe leben, werden von Einrichtungen wie der Lebenshilfe, der Karlshöhe oder des Vereins Insel in Ludwigsburg betreut. Mitarbeiter kommen regelmäßig vorbei, um nach dem Rechten zu schauen.

350 Arbeitsplätze

Größter Arbeitgeber im Landkreis ist mit beinahe 400 Arbeitsplätzen die Theo-Lorch-Werkstätte, die in Bietigheim einen Betrieb mit über 200 Arbeitsplätzen sowie weitere 30 Außenarbeitsplätze haben. Ein weiterer großer Arbeitgeber ist die LWV Eingliederungshilfe GmbH in Markgröningen mit 120 Arbeitsplätzen.

Vom Jahr 2020 an gelten weitere Bestimmungen des Bundesteilhabegesetzes. Es verlangt, dass die finanziellen Leistungen den Bedürfnissen der Menschen individueller angepasst werden. Sie sollen nicht als Bedürftige, sondern als Kunden wahrgenommen werden. „Menschen mit Behinderung sowie viele Angehörige wünschen so viel Normalität wie möglich. Dies erfordert bezahlbaren Wohnraum sowie ein ausdifferenziertes Leistungssystem“, weiß Keuter aus vielen Gesprächen.

Doch im Landkreis setzen die hohen Mieten und teuren Grundstücke Grenzen beim Erfüllen von Wohnwünschen. Eine weitere Herausforderung für die Sozialplanerin ist, Pflegeplätze für älter werdende Behinderte zu finden, derzeit leben im Landkreis 200 Behinderte die 55 Jahre und älter sind. 

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